Die Freuden der Pflicht

Die Freuden der Pflicht

Dass es großen Spaß macht, einen bekannten und beliebten Roman für die Bühne zu adaptieren, haben die Schattenlichter vor drei Jahren beim Umschreiben von Jane Austens „Stolz und Vorurteil“ erlebt. Diesen Spaß merkt man auch der Inszenierung von Siegried Lenz‘ „Deutschstunde“ an, die derzeit noch auf der Probebühne des Berliner Ensembles zu sehen ist, ab Oktober aber wegen des großen Erfolgs auf der Hauptbühne gezeigt werden soll.

Die Geschichte eines jungen Menschen, der nach dem Zweiten Weltkrieg einen Aufsatz über „Die Freuden der Pflicht“ schreiben soll, aber nur ein leeres Blatt abgeben kann, weil er erst die Erinnerungen an seinen kompromisslos pflichtbewussten Vater verarbeiten muss, zeigt die Bühnenumsetzung des Dramatikers Christoph Hein nahe an der Romanvorlage.

Das Dutzend ausschließlich männlicher Schauspieler stellt nicht nur jeweils mehrere Charaktere und Typen dar, sondern fungiert auch als O-Ton-Geber für Möwen, Wind, Wellen, Sirenen, Motoren, Rhythmen und vieles mehr. Es tut gut, dass die aufgrund der Nazi-Thematik oft sehr ernsten Szenen auf diese Weise eine humorvolle Untermalung erhalten. Der Schattenlichter-Tipp: Hingehen — und möglichst vorher noch schnell den 573 Seiten starken Roman lesen. Eine Hommage an den im vergangenen Jahr verstorbenen Autor, deren Erfüllung keine Pflicht, sondern eine Freude ist!

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Eine winzige Bühne

Eine winzige Bühne

Oft empfinden wir Schattenlichter unsere sechs Meter breite Bühne am Teltower Damm 6 als zu klein für die vielen Darsteller und Requisiten. Da hilft ein Besuch der aktuellen Inszenierung „Felix Krull“ im Kleinen Theater am Südwestkorso: Was sich dort der Bühnenbildner einfallen ließ, um auf einer winzigen Bühnenfläche fünf Schauspieler samt ihrer Utensilien unterzubringen, ist so originell wie sehenswert. Statt in die Breite baut man in die Höhe, und unzählige Spiegelflächen vervielfältigen das Bühnengeschehen.

Abgesehen vom Bühnenbild schadet es natürlich auch nicht, das eigene literarische Grundwissen über die Bekenntnisse des berüchtigten Hochstaplers in der kurzweiligen Inszenierung von Matthias Witting aufzufrischen – noch dazu in dem Jahr, in dem gleich zwei Thomas-Mann-Jubiläen anstehen, nämlich sein 140. Geburtstag und sein 60. Todestag. Wieder am 2., 4., 12. und 13. September 2015.

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