„Dann müssen Sie eben noch eine Nachtschicht dranhängen!“

„Dann müssen Sie eben noch eine Nachtschicht dranhängen!“

Wer in diesem Monat beim Theaterbesuch mal wieder schallend lachen möchte, aber nicht über erdachte Witze, sondern über skurrile, gut recherchierte Fakten, der ist bei diesem Theater-Tipp richtig: Drei Schattenlichter testeten am Wochenende „Die Rückkehr der Späti-Ritter“ in der Distel, dem traditionellen Kabarett-Theater in der Friedrichstraße.

Schauplatz der Handlung ist Wolles Späti mitten im Berliner Regierungsviertel: Heute kommen alle in die Hauptstadt – aber nicht, um miteinander zu sprechen, sondern um gegeneinander zu demonstrieren. Da gibt es einen Professor, der mit seinem Smartphone für sein Recht auf ein analoges Leben kämpft, renitente Rentner, die sich für eine günstige SB-Bestattung einsetzen, Berliner Ur-Einwohner und Touristen aus Oberbayern, seltene Kita-Kröten aus dem Bionade-Bullerbü des Prenzlauer Bergs. Doch was machen die alle ausgerechnet in Wolles Späti?

Und dann ist da noch dieser Sonderling Friedrich Merz, der Wolle erklärt, er solle noch länger arbeiten, obwohl sein Späti bereits 24 Stunden geöffnet ist: „Ja, der Tag hat 24 Stunden, Herr Wolle, aber wenn das nicht reicht, müssen Sie eben noch eine Nachtschicht dranhängen.“ Das ganze Panoptikum des Landes in einem kleinen Kiosk.

Manchmal ist man verwundert, was für Texte da auf der Bühne zitiert werden. Beispielsweise: Ist das wirklich das Wahlprogramm der AfD Sachsen-Anhalt? Kann doch gar nicht sein!

Wie immer beim Kabarett gibt es Episoden, die einem besser gefallen, und andere, die einem nicht so viel sagen. Unterm Strich stimmt die Mischung, und auch die musikalischen Einlagen und das Auftauchen von Yoda & Co. sorgen für einen kurzweiligen Abend mit vielen Lachern und Aha-Effekten.

Das Späti-Stück ist wieder am Wochenende 29. bis 31. Mai zu sehen. Karten gibt es auf www.distel-berlin.de.

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Fahr mal wieder U-Bahn!

Fahr mal wieder U-Bahn!

Nur wenige Tage nach meinem persönlichen Jubiläum „40 Jahre Mitglied bei den Schattenlichtern“ gibt es ein weiteres, natürlich viel aufregenderes Theaterjubiläum in Berlin:

Das Musical des GRIPS Theaters wurde am 30. April 1986 erstmals aufgeführt. Ich selbst habe es erst 1987 gesehen; man musste sich damals immer am ersten Sonntag des Monats am Hansaplatz in eine lange Vorverkaufsschlange stellen und bekam nur zwei Tickets pro Person.

Ich könnte jetzt einfach aus meinem Theater-Tipp zu „30 Jahre Linie 1“ zitieren! Aber den findet Ihr ja auch auf www.schattenlichter.info bei „Theater-Tipps“. Einfach zehn Jahre zurückscrollen!

Stattdessen ein kurzer Blick in die „Linie-1-Chronik“ von 1986 bis 2026:

„Linie 1“ ist nicht nur der größte Erfolg, den ein deutsches Musical je hatte; es war über Jahre das meistinszenierte, meistaufgeführte und meistbesuchte Theaterstück im deutschsprachigen Theaterraum und machte Volker Ludwig in den 1990er-Jahren zum meistgespielten Autor nach Shakespeare, Brecht und Molière.

www.grips-theater.de

Man darf gespannt auf die Jubiläumsaufführung sein. Wird es 40 Marias geben? Schlüpft Petra Zieser nochmal in die Rolle der Risi? Geben sich Dieter Landuris und Thomas Ahrens die Ehre? Und verpflichtet sich Dietrich Lehmann, bis zu seinem 100. Geburtstag mitzuspielen? Die Schattenlichter sind auf jeden Fall dabei!

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Zahlreiche Fallstricke

Zahlreiche Fallstricke

In diesem Monat gibt es – wie so oft im Februar – einen Theater-Tipp in eigener Sache: 2023 spielten wir das Stück „Extrawurst“ von Dietmar Jacobs und Moritz Netenjakob. Von denselben Autoren ist nun ein neues Stück erschienen, das uns gleichermaßen begeistert: „Kalter weißer Mann“. Wir haben uns seit April 2025 damit beschäftigt und bringen es am 26., 27., und 28.2. in Zehlendorf-Mitte zur Aufführung.

Wenn sich der Vorhang öffnet, befinden sich die Zuschauerinnen und Zuschauer in einer Friedhofskapelle. Denn Gernot Steinfels, Patriarch einer Firma des alten deutschen Mittelstands, ist im Alter von 94 Jahren verstorben. Sein Mitarbeiter Horst Bohne freut sich, nun endlich die Nachfolge antreten zu können – schließlich ist er auch schon bald im Rentenalter.

Zunächst richtet Bohne für das Unternehmen die Beisetzung aus, inklusive eines wuchtigen Trauerkranzes samt gediegener Schleife. Doch Bohnes Text auf der Schleife sorgt für heftige Irritationen: „In tiefer Trauer. Deine Mitarbeiter“. Nicht nur die weiblichen Kolleginnen sind empört: Wieso nicht „… und Mitarbeiterinnen“? Oder vielleicht „Deine Mitarbeiter_Innen“ bzw. „Deine Mitarbeiter*innen“?

Eine erhitzte Kulturdebatte entfacht sich, in der Genderthematik, Sexismus und politisch korrektes Verhalten höchst emotional abgehandelt werden. Ein Thema führt zum nächsten …

Es wird offensichtlich, dass nicht nur der Umgang der Geschlechter miteinander jede Menge Fingerspitzengefühl erfordert, sondern dass auch zwischen den Boomern und den Generationen X, Y und Z zahlreiche Fallstricke lauern.

Vor dem Theaterpublikum, das die versammelte trauernde Firmenbelegschaft verkörpert, zerfleischt sich die Belegschaft der Firma immer mehr. Nicht einmal der verzweifelte Pfarrer kann die Wogen glätten: „Wenn man denen etwas vom Neuen Testament erzählt, denken sie, sie hätten geerbt …“.

Es gibt noch Karten für die Premiere sowie für den zweiten Aufführungstag: www.schattenlichter.info

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Mal wieder herrlich über Extrawürste streiten

Mal wieder herrlich über Extrawürste streiten

Der Theater-Tipp ist in diesem Monat ein Kinotipp, denn die Autoren von „Extrawurst“ haben gut fünf Jahre nach ihrem Theatermanuskript auch ein Filmdrehbuch geschrieben. Da die Schattenlichter „Extrawurst“ vor drei Jahren gespielt hatten und in Kürze das nächste Stück derselben Autoren aufführen werden, war die Spannung auf den Film sehr groß.

So machten sich 16 Schattenlichter gestern ins Adria-Kino in Berlin-Steglitz auf und hatten einen hervorragenden Abend beim Betrachten des Tennisclubs, der sich über der Frage, ob das einzige muslimische Vereinsmitglied einen eigenen Grill für seine „Extrawurst“ benötigt, regelrecht (Achtung, Wortspiel!) „zerfleischt“.

Große Teile des Theaterstücks haben die Autoren Dietmar Jacobs und Moritz Netenjacob wörtlich ins Filmdrehbuch übernommen, so dass die Schattenlichter ihre alten Texte im Geiste mitsprechen konnten. Andere Passagen wurden dazugeschrieben, so dass noch zwei, drei aktuellere Themen aufgegriffen werden konnten. Sehr gelungen!

Dabei gibt es im Film naturgemäß den Vorteil, an mehreren unterschiedlichen Schauplätzen spielen zu können, so dass zum Versammlungsraum des Tennisclubs, in dem sich die Theaterhandlung komplett abspielt, auch die Tennishalle, der Materialraum, der Vorplatz des Vereinsheims und kurz auch andere Orte wie die Wohnung des Vereinsvorsitzenden hinzukommen. Das sorgt nicht nur für Abwechslung, sondern gibt dem Publikum auch weitere Informationen – zum Beispiel darüber, wie der Vorsitzende denn so lebt und welche Rolle der Tennisclub in seinem Leben gespielt hat.

Extrem erheiternd war es zu sehen, wie die eigenen Rollen auf großer Leinwand von bekannten Schauspielern wie Hape Kerkeling, Friedrick Mücke, Fahri Yardim, Anja Knauer und Christoph Maria Herbst dargestellt wurden. Da kann man sich als Laien-Schattenlicht so manche Inspiration holen.

Die Schattenlichter schreiben seit mehr als 25 Jahren in jedes Stück eine kleine lustige Rolle für ihren langjährigen Bühnenbildner und Beleuchter – den sogenannten Hitchcock-Auftritt. Etwas Ähnliches haben sich die Filmautoren für Milan Peschel ausgedacht, der ja oft mit skurrilen Rollen glänzt. Diesmal war er der unbegabte Techniker des Tennisclubs, der erfolglos versucht, die Ballmaschine zu reparieren, so dass dem diskutierenden Vorstandsteam diverse Tennisbälle um die Ohren geballert werden.

Das war so lustig, dass es einem richtig leidtut, so etwas auf der Bühne des Paulus-Gemeindehauses nicht machen zu können!

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Alles dreht sich

Alles dreht sich

Die Schattenlichter finden es immer spannend zu sehen, wie ein anderes Genre für die Bühne adaptiert wird. Heute gab es im Renaissance-Theater die Gelegenheit, zu sehen, wie sich der Kinofilm „Nebenan“ auf einer Bühne macht. Zwei Schattenlichter waren dabei!

Der Film kam 2021 in die Kinos. Ich erinnere mich noch, wie ich ihn mit Maske und mit einem Sitzplatz Abstand zu den nächsten Kinobesuchern ansehen musste. Das änderte aber nichts daran, dass mich der Inhalt und die Schauspieler begeisterten – allen voran Daniel Brühl und Peter Kurth in den Hauptrollen.

Die Idee zur Handlung des Films hatte Daniel Brühl, das Drehbuch schrieb Daniel Kehlmann. Ebendieser schrieb nun auch das Theaterstück, das derzeit in mindestens einem halben Dutzend deutschen Theatern zu sehen ist.

Es geht um einen bekannter Filmschauspieler – im Film Daniel Brühl, im Renaissance-Theater Oliver Mommsen. Beruflich und privat äußerst erfolgreich, trifft er kurz vor einem wichtigen Casting in London unten in der Eckkneipe in dem Haus, in dem er ein Loft besitzt, auf einen ihm unbekannten Nachbarn – im Film Peter Kurth, auf der Bühne Stephan Grossmann. Erst wirkt der Nachbar nur wie ein etwas nerviger frustrierter Wendeverlierer und wie ein selbstmitleidiges Gentrifizierungsopfer; sein Vater wurde aus genau der Wohnung gedrängt, die dann zum Loft des Schauspielers ausgebaut wurde.

Doch dann beginnt der Nachbar, zahlreiche Filme des Schauspielers zu kritisieren, und überrascht durch große Detailkenntnis. Aber auch das ist aber nur die Vorstufe zu dem, was dann passiert: Der Nachbar enthüllt immer mehr Details aus dem Privatleben des Schauspielers. Das ist zum einen recht gruselig – woher weiß er das alles? –, zum anderen sind viele dieser Informationen für den Schauspieler neu – beispielsweise, was seine Familie so tut, wenn er beruflich auf Reisen ist.

Schließlich entpuppt sich der Nachbar als Mitarbeiter eines Kreditkartenunternehmens, der sich aus den Kontobewegungen seiner Kunden ein exaktes Bild von deren Leben machen kann und – offenbar mit Stasi-Vergangenheit und entsprechender Berufserfahrung – dies mit großer Akribie verfolgt. Immer wenn der Schauspieler zum Taxi will, bekommt er ein neues Detail serviert, bis er schließlich seinen Flug zum Casting verpasst und auch noch alles mögliche Andere den Bach runtergeht. Mehr soll hier nicht verraten werden.

Mommsen und Grossmann geben ein ebenso ungleiches Duo ab wie Brühl und Kurth. Es macht Spaß, dabei zuzusehen, wie der eitle Schauspieler langsam von seinem hohen Ross heruntergeholt wird. Zugleich sind die Methoden, mit denen dies geschieht, keinesfalls positiv zu bewerten.

Da der Kinofilm bereits wie ein Kammerspiel war und zumindest in unserer Erinnerung hauptsächlich in einer Eckkneipe spielte, war zu erwarten, dass auch im Renaissance-Theater nur ein einziges Bühnenbild benötigt werden würde. Dem war auch so: Ein Tresen, ein paar Hocker, zwei Tischchen, eine Musikbox und eine Dartscheibe – und fertig ist die Kneipe! Überraschend: Die Kneipe stand auf einer Drehbühne, und nach jeder Szene drehte sich das Bühnenbild um ein paar Grad weiter. Hatte der Tresen anfangs von rechts in die Bühne geragt, war er bald frontal zu sehen und wanderte schließlich nach links. Das verschaffte den Zuschauenden unterschiedliche Einblicke in die Kulisse und war spannender als ein statisches Bühnenbild. Man könnte interpretieren, dass sich dadurch der Blickwinkel des Publikums auf die Handelnden verändert – oder dass nichts im Leben einen wirklichen Halt bietet!

Ebenso wichtig, um das Stück nicht zu statisch sein zu lassen, waren die markige Kneipenbesitzerin hinter dem Tresen sowie ein aggressiver Alki, der zu überraschenden Zeitpunkten die Handlung kommentiert oder sich anderweitig den Frust von der Seele schreit.

Ein sehr kurzweiliger Theaterabend, der sich lohnt! Gleich morgen und übermorgen, am 29. und 30. November, ist das Stück wieder zu sehen: Karten unter www.renaissance-theater.de

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Ein Loblied auf Lutz Hübner und Sarah Nemitz

Ein Loblied auf Lutz Hübner und Sarah Nemitz

Das Autorenduo Lutz Hübner und Sarah Nemitz steht bei den Schattenlichtern hoch im Kurs: 2016 spielten wir ihr Stück „Frau Müller muss weg“, 2019 „Richtfest“, und fast hätten wir auch noch „Willkommen“ gespielt, aber da kam Corona dazwischen.

Da verwundert es sicherlich nicht, dass die Schattenlichter jedes neue Stück von Hübner/Nemitz mit großem Interesse registrieren. So besuchten gestern gleich ein Dutzend Schattenlichter das Kleine Theater am Südwestkorso, um das neuste Hübner/Nemitz-Stück zu sehen: „Was war und was wird“.

Das Erste, worauf wir beim Theaterbesuch schauen, ist: „Wäre dieses Stück auch für uns geeignet?“ In diesem Fall ist das klar zu verneinen, denn es handelt sich um ein Zwei-Personen-Stück.

Das Zweite ist das Thema, und es ist wie immer bei Hübner/Nemitz topaktuell. Wenn man einige ihrer Stücke gesehen hat, merkt man, wie sie gemeinsam mit uns älter werden: Waren vor einigen Jahren Themen wie Schule und Erziehung zentral, ging man dann zu Wohnen und Migration über, und das aktuelle Stück befasst sich mit Eltern, die nicht mehr von ihren erwachsenen Kindern um Rat gefragt werden und die sich damit abfinden müssen, dass sich ihre Kinder langsam mehr Sorgen um die Eltern machen als andersherum.

Punkt drei ist der Blick auf die Darstellerinnen und Darsteller: Jacqueline Macaulay und Markus Gertken überzeugen als Paar, das sich im Theater streitet, gemeinsam in Rückblicken schwelgt oder mit Problemen der Zukunft umzugehen versucht. Besonders interessant für die Schattenlichter war, dass sie Markus Gertken unlängst im Renaissance-Theater als Hauptrolle in „Alter weißer Mann“ bewundert hatten – dem Stück, das die Schattenlichter gerade selbst proben und im Februar 2026 aufführen werden. Es war, als hätte man den Charakter in „Alter weißer Mann“ als Firmenchef kennengelernt und nun auch im Privatleben!

Nicht zuletzt gilt das Schattenlichter-Augenmerk immer auch dem Bühnenbild und den Requisiten. Im Kleinen Theater ist es immer erfreulich anzusehen, wie auch auf kleinem Raum phantasievoll verschiedene Welten entstehen können. Da reichen eine Bank, ein paar Liegestühle, eine Bar, eine Leinwand für wechselnde Fotos und die Einbeziehung des Theaterraums.

Hinzu kommen ein nettes Ambiente, eine gute Pausenverpflegung und die Gelegenheit, den Schauspielerinnen und Schauspieler noch zu ihrer Leistung gratulieren zu können, wenn sie sich auf den Heimweg machen.

Für uns ist ein Theaterabend so perfekt!

Also: Hingehen – und vorher gegenüber in Achilles‘ Taverne einen knackigen griechischen Salat essen!

Das Stück wird wieder vom 6. bis zum 9. November gezeigt.

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Alles leuchtet, alles bewegt sich

Alles leuchtet, alles bewegt sich

Zwei Schattenlichter starteten in die neue Spielzeit mit einem Besuch im Wintergarten Varieté. Bis zum 15. Februar ist dort die Show FLYING LIGHTS zu sehen.

Wie der Titel erwarten lässt, dreht sich alles ums Thema Licht. Eine kleine Rahmenhandlung verbindet die einzelnen Showeinlagen miteinander: Streetstyle, Breakdance und Varietéeinlagen.

Unterschiedlichste Lichter begleiten die einzelnen Acts: von lodernden Fackeln bis zu neuester LED-Technik. Dazu gibt es neben viel eingespielter Musik immer wieder auch live gespielte Celloklänge und ein Schlagzeug, das mitten in einem leuchtenden Jonglageakt mit den einzelnen Keulen bespielt wird. Sehr cool!

Wirklich atemberaubend – gerade von unserem Platz in Reihe 1 aus – war die Artistik, die geschickt auf das Programm verteilt war: Neben der LED-Keulen-Jonglage gab es zwei Artisten, die mit beachtlicher Präzision Paarübungen vorführten: Dabei machte der eine eine Kerze, der andere sprang auf dessen Füße und vollführte in gefährlicher Höhe Spagate, Schrauben, Salti und vieles mehr, wofür uns vom einfachen Sprechtheater die Fachbegriffe fehlen. Zwei andere Artisten performten an Ringen und Trapez – ebenfalls atemberaubend! Und eine Artistin konnte sich in alle Richtungen verbiegen und dabei ein halbes Dutzend leuchtende Reifen in Bewegung halten.

Zum Verschnaufen gab es zwischendurch Lustiges wie einen humorvoll-heiteren Act mit Seifenblasen, der ebenfalls mit viel Beifall quittiert wurde.

Am Ende wurde auch noch eine Metallgitterkugel mit 3,80 Metern Durchmesser enthüllt, in der ein Motorradfahrer seine Runden drehte. Als wäre das nicht genug, kam dann noch ein zweiter und schließlich noch ein dritter hinzu. Krass! Laut Wintergarten-Webseite übrigens „die kleinste Motoradkugel der Welt“. Es gibt immer wieder bizarre neue Superlative!

Alles in allem eine sehr kurzweilige Zusammenstellung, die alle eines Besseren belehrt, die denken, schon alles gesehen zu haben.

www.wintergarten-berlin.de

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Schwimm langsam – Jetzt erst recht

Schwimm langsam – Jetzt erst recht

Als eins der ersten Theater ist das „Prime Time Theater“ im Wedding aus der Sommerpause zurückgekommen. Zum Auftakt steht noch keine neue Folge von „Gutes Wedding, Schlechtes Wedding“ auf dem Programm, sondern eine Sommerkomödie: „Schwimm langsam – Jetzt erst recht!“

Worum geht’s? Glühende Dachgeschosswohnungen, schmelzender Asphalt, klebende Oberarme in der S-Bahn: Endlich wieder Sommer in Berlin! Strandbadbesitzer und Nichtschwimmer Kalle Witzkowski erwartet einen Ansturm auf das Strandbad Plötzensee. Das Weddinger Urgestein mit sympathischem Sprachfehler sorgt mit seiner „Plötzwatch“ für Recht und Ordnung am Ufer. Auch Kalles Sohn, der etwas einfach gestrickte Mädchenschwarm Ricky, sowie die schöne Influencerin Lissi und der genderfluide Bücherwurm Moni können es kaum erwarten, den Hitzesommer am See zu verbringen.

Doch mit großem Entsetzen stellen alle eines Morgens fest: Das Wasser ist weg! Der Plötzensee liegt trocken. Wie ist das geschehen? Hat der Klimawandel endgültig den Wedding erreicht? Was hat es mit der geheimnisvollen Sage vom Plötzensee auf sich? Und was hat Elon Musk mit alldem zu tun?

Das Strandbad entwickelt sich zum Hotspot. Während die heißblütige Sensationsjournalistin Fabrizia die Story ihres Lebens wittert, begeben sich Ricky, Lissi und Moni in ein Abenteuer, um das Wasser zurückzubringen und den Sommer zu retten.

Vier Schattenlichter hatten gestern einen sehr heiteren Sommerabend im Wedding. Ein paar freie Plätze gibt es in den nächsten Tagen noch: Der Plötzenkrimi ist noch bis zum 30. August zu sehen.

Kleiner Tipp: Am 28. August sind die Karten besonders günstig!

Also – wie der Weddinger sagt: Tickets koofen!

https://www.primetimetheater.de/schwimm-langsam-jetzt-erst-recht

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Ewige Jugend

Ewige Jugend

Nur noch morgen und übermorgen ist ein Theaterstück zu sehen, dass zwei Schattenlichter heute Abend im Renaissance-Theater sahen.

Re-Naissance passt schon mal ganz gut zum Thema des Stückes: Es geht um ein Wundermittel, das eine Wissenschaftlerin erfunden hat, um die Alterung von Frauen aufzuhalten und ihnen ewige Jugend und dauerhafte Fortpflanzungsmöglichkeiten zu bescheren.

Das Stück mit dem Titel „Division“ – auch als „Die Vision“ lesbar – schrieben die Schauspielerin Katja Riemann und ihre Tochter, die Tänzerin und Choreografin Paula Romy.

Dabei ist Katja Riemann 90 Minuten lang sprechend, tanzend und singend auf der Bühne zu erleben, Paula Romy ist in einigen Videosequenzen zu sehen. Es geht dabei nicht nur um den Umgang der Frauen mit ihrem alternden Korper, sondern auch um biologische Gleichberechtigung. Hinzu kommen viele Themen und Probleme, die damit verknüpft sind.

Riemann transportiert in ihrer Rolle als Wissenschaftlerin und Erfinderin des Wundermittels viele Fakten, aufgelockert durch teils sehr kurzweilige Videoeinspielungen und Telefonate mit dem Bruder der Bühnenfigur, der einen Gegenpol zu der Wissenschaftlerin darstellt. Die Tagesschau berichtet in Wort und Bild über Männer, die verbotenerweise das nur für Frauen bestimmte Mittel einnahmen und kurz darauf explodierten. Kinder berichten als Zeugen und spielen mit Blutflecken beschmiert auf der Straße. Gegnerinnen des Wundermittels demonstrieren vor der Haustür der Naturwissenschaftlerin.

Trotz dieser Auflockerungen bleibt das Stück aber textlastig; die geballten Fakten ermüden das Publikum allmählich. Dennoch bekommt Riemann tosenden Beifall. Auch in den Pausengesprächen entsteht der Eindruck, dass viele der Zuschaueinnen und Zuschauer nicht wegen des Themas ins Theater gekommen sind, sondern weil sie Katja Riemann aus Kinofilmen kennen und gerne mal auf der Bühne erleben wollten. Und was sie da leistet, ist wirklich beeindruckend.

Amüsiert hat die Schattenlichter auch, dass Riemanns einzige Interaktion mit dem Publikum ausgerechnet mit einem Schattenlicht zusammenhing: Während einer Kunstpause in einem theorielastigen Beitrag muss das Schattenlicht recht laut niesen. Riemann wünscht „Gesundheit“, wartet das Dankeschön ab, lässt einen Moment Pause, um sich und dem Publikum Zeit zum Konzentrieren zu geben, und fährt mit ihrem Vortrag fort.

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Von Füchsen mit und ohne Gitarren

Von Füchsen mit und ohne Gitarren

Im GRIPS Theater spielt das Kultmusical „Linie 1“ primär in Kreuzberg. Hingegen ist Schauplatz des aktuellen Musicals „Bülowstraße“ Schöneberg. Vier Schattenlichter sahen sich heute die letzte Aufführung von „Bülowstraße “ in dieser Theatersaison an.

Die Handlung: Mila lebt in der Bülowstraße im Herzen von Schöneberg. Mit ihrer besten Freundin Yasmin und ihrem Kumpel Timur zieht sie feiernd durch die Stadt. Denn Mila will vor allem eins: sich im Nachtleben austoben und den Alltag vergessen.

Ihr Verhältnis zu den streitenden Eltern ist angespannt, und mit Jerome taucht auch noch ein Gesicht aus der Vergangenheit auf. Mila fühlt sich zerrissen zwischen den Anforderungen des Lebens und einer inneren Leere. 

Yasmin hat eine andere Vorstellung vom Leben; sie will Schauspielerin werden. Und auch Timur hat seine Geheimnisse. Ein tragisches Ereignis zwingt Mila dazu, nachzudenken, welchen Weg sie in Zukunft gehen will.

Die Handlung wird von gefühlvollen, starken Songs der erfolgreichen Musikerin LEA begleitet. Diese werden von den Schauspielerinnen und Schauspielern sehr gut gesungen und von einer aus drei Füchsen bestehenden Band, die zu jedem Song aus ihrer Höhle auftauchen, amüsant begleitet.

Die Füchse sind für die Protagonisten ein Sinnbild für Einzelgänger, die durch die Stadt streifen und irgendwann in ihre Höhle zurückkehren, in der es gemütlich warm ist und andere Tiere auf einen warten.

Die Schattenlichter fanden das Stück kurzweilig, schlüssig und ausgezeichnet gespielt, fanden aber, dass ein wenig mehr Leichtigkeit und Humor nicht geschadet hätten.

Lachen mussten alle, als ihnen auf dem Heimweg gleich in der Levetzowstraße ein Fuchs begegnete – diesmal ohne Gitarre!

Das Stück läuft wieder ab 3. Oktober.

www.grips-theater.de

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