Im Sommer uff Achse

Im Sommer uff Achse

Niemand kann sagen, dass auf den Berliner Bühnen im Hochsommer nichts los wäre! Im Juli sind die Schattenlichter nun schon zum dritten Mal im Theater. Diesmal passte auch das Thema richtig gut zur Ferienzeit: „Uff Achse – Camping, Chaos und Camorra“.

Das Urlaubsstück ist die diesjährige Sommerkomödie der Theater-Soap-Reihe „Gutes Wedding, Schlechtes Wedding“ (GWSW) des Prime Time Theaters in Berlin-Wedding. Diesmal packt die berlinernde Kieztruppe ihre Koffer und tauscht den heimischen Bezirk gegen ein Urlaubsabenteuer unter freiem Himmel.

Wie zu erwarten, verläuft der geplante entspannte Sommerurlaub anders als gedacht – schon weil Kalle das Geld fehlt, um den Traumcamper seiner Ollen zu mieten. Der Urlaub entwickelt sich rasant zu einer logistischen und nervlichen Katastrophe. Neben den typischen Pleiten und Pannen beim Campen geraten die Berliner Dumpfbacken ungewollt mit der Mafia aneinander, was für zusätzliche lebensgefährliche Absurdität sorgt.

Ob es die schrägen Charaktere rund um Postbote Kalle mit ihrer unerschütterlichen Berliner Art schaffen werden, sich gegen die Kriminellen zu behaupten?

Wer es wissen möchte, hat vom 30. Juli bis zum 1. August und vom 5. bis zum 8. August Gelegenheit dazu. Vom 9. bis 30. August gönnt sich das Team eine Sommerpause; ob es als Team mit dem Caravan in den Urlaub geht, wissen die Schattenlichter nicht. „Uff Achse“ steht dann ab 2. September noch 16-mal auf dem Spielplan.

Der Saal ist angenehm klimatisiert, so dass man mit dem Charakteren mitfiebern kann, ohne selbst zu schwitzen. Auch die Bar ist immer sehr zu empfehlen; sie öffnet schon zwei Stunden vor Stückbeginn, versorgt die Gäste natürlich auch in der Pause, und nach Stückende gibt es im Sommer die Getränke zum „Happy Hour“-Preis, dem sogenannten „Tankrabatt“.

https://www.primetimetheater.de

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Open-Air-Theater muss einfach sein!

Open-Air-Theater muss einfach sein!

Wenn es so richtig hochsommerlich ist, zieht es die Schattenlichter Jahr für Jahr ins Open-Air-Theater: Gestern war es wieder einmal soweit! Drei Schattenlichter trafen sich im Theater am Insulaner bei der Shakespeare Company zu der uns bislang noch bekannten Shakespeare-Komödie „Irrungen“. 

Ein lustiges Theaterstück, geniale Schauspieler, einfallsreich gestaltete Kulissen, ein kühles Getränk und beim Schlussapplaus um 22:30 Uhr immer noch 25 Grad – so könnte das Leben immer sein!

Während in „Was ihr wollt“ bereits ein einziges Zwillingspaar für köstliche Verwechslungen und turbulente Verwirrungen sorgt, treibt Shakespeare den Spaß bei „Irrungen“ auf die Spitze: Gleich zwei Zwillingspaare stürzen das Geschehen in ein wahres Chaos der Identitäten!

Herr und Diener treten doppelt auf, irren aber einzeln durch die Stadt – und bringen nicht nur Ehefrauen, Händler und Anwohner zur Verzweiflung, sondern auch sich selbst.

Mit angemessenem Tempo, schillernden Kostümen, beeindruckender Mimik, großer Spielfreude und tollem Gesang brachte das sechsköpfige Schauspielensemble das Stück so gut auf die Bühne, dass die Zeit wie im Fluge verging. 

Die Schattenlichter empfehlen: Hingehen! Eine Warnung sei aber ausgesprochen: In der zweiten Stückhälfte droht beim Auftritt eines Exorzisten ein ununterdrückbarer Lachanfall!

Das Stück wird heute und morgen um 20 Uhr gezeigt; es gibt noch Karten. Fünf weitere Aufführungen gibt es zum Saisonende vom 8. bis zum 12. September. 

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Das schMERZt!

Das schMERZt!

Während sich andere Berliner Theater auf die Sommerferien und eine lange Spielpause einstimmen, bietet das Kabarett-Theater Distel in der Friedrichstraße ein Sommer-Special an: Im Juli und August kosten alle Tickets nur 28 Euro, und auf spritzige Sommergetränke gibt es ab der Bar 50 Prozent Sommerrabatt.

Die Schattenlichter haben das Sommer-Special getestet – mit einem der vier in diesem Rahmen angebotenen Programme:

Die SchMERZtherapie
Mit dem Lastenrad durch die Wand

Die kleinste GroKo aller Zeiten will das Land regieren. Da ist Gegenwind vorprogrammiert, denn die Debattenkultur im Parlament ist auf dem Tiefpunkt angelangt. Die sprachlichen Fähigkeiten vieler Hinterbänkler sind mittlerweile schlechter als die von Bushido und Dieter Bohlen – also deutlich unter Normalnull.

Ein Seminar muss her! Vertrauensübungen, Konfrontationen, Brücken bauen. Und so werden drei Abgeordnete des Bundestags zur SchMERZtherapie verdonnert.

Aber nicht nur sie, denn auch der Kanzler übt sich in Wut-Management – bis der Therapie-Roboter durchbrennt. Markus Söder, Heidi Reichinnek und Marie-Agnes Strack-Zimmermann liefern sich einen Wettstreit im Abgesang auf ihre Parteien, während sich Lars Klingbeil Schuldscheine für den Bundeshaushalt druckt.

Obwohl das alles ja sehr beunruhigend ist, hatten die Schattenlichter viel zu lachen: Gelungene Personenimitationen, perfekte Dialekte und jede Menge Humor sorgten dafür, dass das politische Trauerspiel nicht als ein solches rüberkommt.

Unbedingt hingehen!

Die nächsten Therapieeinheiten gibt es vom 21. bis zum 26. Juli. Viel Spaß und gute Erhellung!

Die Bilder zeigen die Schattenlichter im Kreis der Kabaretttruppe und mit der Werbung fürs Sommer-Special.

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Hochsommerlich schwitzen bei „Sonne und Beton“

Hochsommerlich schwitzen bei „Sonne und Beton“

Die Schattenlichter sehen sich immer gerne Theaterstücke an, die aus erfolgreichen Kinofilmen entstanden sind. Deshalb waren sie auch gespannt auf das Stück „Sonne und Beton“ in der „DT Box“ des Deutschen Theaters. Der gleichnamige Kinofilm lief 2023.

Vorab: Es war gar nicht so einfach, Karten zu bekommen, denn meist wird das Stück in Berliner Schulklassen aufgeführt. Dass es jetzt ausgerechnet in der bislang heißesten Woche des Jahres für allgemeine Theatergäste zu sehen war, passte bestens zum Stücktitel und zum Flair des Films.

Auch in der „DT Box“ wird eine Klassenraumsituation nachempfunden: Jugendliche sitzen nicht nur auf der Publikumstribüne, sondern auch an vier Schultischen am rechten und linken Bühnenrand, wo sie hin und wieder in die Handlung einbezogen werden. Ein originelles Konzept!

Im Film wie auch auf der Bühne geht es um die vier Schulfreunde Lukas, Julius, Gino und Sanchez. Sie sind vom tristen Berliner Sommer in den Hochhausschluchten Berliner Gropiusstadt gelangweilt. Abgesehen von der Schule scheint der Sommer für sie nur Ärger und Schlägereien bereitzuhalten. Doch dann kommt Sanchez auf eine Idee: Er hat erfahren, dass seine Schule eine Lieferung neuer Computer erwartet, mit denen sich schnelles Geld verdienen ließe. Ist das endlich der ersehnte Ausweg aus der Trostlosigkeit?

Auf der Bühne werden die vier Freunde sowie ihre Lehrer, Brüder, Väter und Feinde von zwei Personen gespielt: ein Schauspieler ist dauerhaft Lukas, eine Schauspielerin stellt alle anderen dar. Das funktioniert gut, ist kurzweilig und bisweilen auch sehr witzig, weil Welten liegen zwischen dem weinerlichen Sozialarbeitertyp-Schulleiter und beispielsweise dem brutalen Anführer einer Gang im Park.

Unsere Lieblingsszene ist die, in der Lukas wegen des Diebstahls zum Schulleiter gerufen wird. Der Schüler rechnet damit, dass der Diebstahl aufgeklärt worden ist. Aber im Gegenteil: Der Schulleiter will ihn „als einzigen deutschen Schüler“ überzeugen, dass er sich in der Klasse umhören soll, welcher der zahlreichen Migranten für den Diebstahl verantwortlich ist. Während Lukas hier bevorzugt wird, gibt er sich unter den Jugendlichen als Pole aus – „ist leichter“.

Bemerkenswert war auch, dass Lukas‘ Darsteller trotz großer Hitze dauerhaft im authentischen grauen Hoodie mit Kapuze spielte. Das Publikum schwitzte schon im T-Shirt …

Wer sich das Stück im DT ansehen oder das Ensemble in seine Schule einladen möchte, findet Infos unter www.deutschestheater.de/programm/produktionen/sonne-und-beton.

Für die Wartezeit bietet sich auch die gleichnamige Lektüre an: Der Coming-of-age-Roman von Felix Lobrecht erschien 2017. Hier erfährt man auch, dass die Handlung von „Sonne und Beton“ im sogenannten Rekordsommer 2003 spielte. Die damalige extreme Hitzewelle führte deutschlandweit zu mehreren tausend Todesfällen.

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Was ist eine Gefühlstasche?

Was ist eine Gefühlstasche?

Was ist eigentlich eine Gefühlstasche? Ein Theaterstück mit diesem Namen wird derzeit vom „Altberliner Schmalzstullentheater“ in Berlin-Lichterfelde aufgeführt. Fünf Schattenlichter sahen sich die gestrige Vorstellung an.

Die Gefühlstasche, eine knallrote Lackhandtasche, befindet sich schon zu Stückbeginn unübersehbar und effektvoll angestrahlt auf einem Tisch. Dieser steht in einem Ferienapartment, das drei befreundete Ehepaare fürs Wochenende gemietet haben.

Nachdem sich herausgestellt hat, dass niemandem die Tasche gehört und auch der Vermieter nichts über sie weiß, öffnen die sechs mit spitzen Fingern die Tasche. Sie scheint leer zu sein. Erst beim genaueren Untersuchen fällt ein Zettel aus der Tasche – mit der dubiosen Nachricht „Einer von Euch spielt falsch!“.

Dieser eine Satz reicht aus, um den Freundinnen und Freunden auf den Zahn zu fühlen: Und schon bald stellt sich heraus, dass mehr als einer angesichts dieses Textes sein Gewissen erleichtern muss und zum großen Geständnis ansetzt. Was dabei herauskommt, ist überraschend – für die Ehepartner ebenso wie fürs Publikum!

Warum der Untertitel des Stück „Das missglückte Geheimnis“ lautet und wer die Tasche aus welchen Gründen im Ferienhaus platziert hat, kann hier noch nicht verraten werden. Wer es herausfinden will, hat noch am Freitag, 12. Juni, 20 Uhr, und am Samstag, 13. Juni, 19 Uhr, die Gelegenheit dazu.

Der Eintritt beträgt 7 Euro, für Schüler und Studis 3,50 Euro. Karten gibt es im Gemeindebüro, Ostpreußendamm 64, und an der Abendkasse. Die Aufführungen finden im Gemeindehaus der Petrus-Giesensdorf-Kirchengemeinde in der Parallelstraße 29 in Lichterfelde-Ost statt. Es werden auch Kuchen, Schmalzstullen und Getränke angeboten. Der Autor Bernd Sprehling hat höchstpersönlich die Premiere besucht und war voll des Lobes für die Inszenierung.

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„Dann müssen Sie eben noch eine Nachtschicht dranhängen!“

„Dann müssen Sie eben noch eine Nachtschicht dranhängen!“

Wer in diesem Monat beim Theaterbesuch mal wieder schallend lachen möchte, aber nicht über erdachte Witze, sondern über skurrile, gut recherchierte Fakten, der ist bei diesem Theater-Tipp richtig: Drei Schattenlichter testeten am Wochenende „Die Rückkehr der Späti-Ritter“ in der Distel, dem traditionellen Kabarett-Theater in der Friedrichstraße.

Schauplatz der Handlung ist Wolles Späti mitten im Berliner Regierungsviertel: Heute kommen alle in die Hauptstadt – aber nicht, um miteinander zu sprechen, sondern um gegeneinander zu demonstrieren. Da gibt es einen Professor, der mit seinem Smartphone für sein Recht auf ein analoges Leben kämpft, renitente Rentner, die sich für eine günstige SB-Bestattung einsetzen, Berliner Ur-Einwohner und Touristen aus Oberbayern, seltene Kita-Kröten aus dem Bionade-Bullerbü des Prenzlauer Bergs. Doch was machen die alle ausgerechnet in Wolles Späti?

Und dann ist da noch dieser Sonderling Friedrich Merz, der Wolle erklärt, er solle noch länger arbeiten, obwohl sein Späti bereits 24 Stunden geöffnet ist: „Ja, der Tag hat 24 Stunden, Herr Wolle, aber wenn das nicht reicht, müssen Sie eben noch eine Nachtschicht dranhängen.“ Das ganze Panoptikum des Landes in einem kleinen Kiosk.

Manchmal ist man verwundert, was für Texte da auf der Bühne zitiert werden. Beispielsweise: Ist das wirklich das Wahlprogramm der AfD Sachsen-Anhalt? Kann doch gar nicht sein!

Wie immer beim Kabarett gibt es Episoden, die einem besser gefallen, und andere, die einem nicht so viel sagen. Unterm Strich stimmt die Mischung, und auch die musikalischen Einlagen und das Auftauchen von Yoda & Co. sorgen für einen kurzweiligen Abend mit vielen Lachern und Aha-Effekten.

Das Späti-Stück ist wieder am Wochenende 29. bis 31. Mai zu sehen. Karten gibt es auf www.distel-berlin.de.

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Fahr mal wieder U-Bahn!

Fahr mal wieder U-Bahn!

Nur wenige Tage nach meinem persönlichen Jubiläum „40 Jahre Mitglied bei den Schattenlichtern“ gibt es ein weiteres, natürlich viel aufregenderes Theaterjubiläum in Berlin:

Das Musical des GRIPS Theaters wurde am 30. April 1986 erstmals aufgeführt. Ich selbst habe es erst 1987 gesehen; man musste sich damals immer am ersten Sonntag des Monats am Hansaplatz in eine lange Vorverkaufsschlange stellen und bekam nur zwei Tickets pro Person.

Ich könnte jetzt einfach aus meinem Theater-Tipp zu „30 Jahre Linie 1“ zitieren! Aber den findet Ihr ja auch auf www.schattenlichter.info bei „Theater-Tipps“. Einfach zehn Jahre zurückscrollen!

Stattdessen ein kurzer Blick in die „Linie-1-Chronik“ von 1986 bis 2026:

„Linie 1“ ist nicht nur der größte Erfolg, den ein deutsches Musical je hatte; es war über Jahre das meistinszenierte, meistaufgeführte und meistbesuchte Theaterstück im deutschsprachigen Theaterraum und machte Volker Ludwig in den 1990er-Jahren zum meistgespielten Autor nach Shakespeare, Brecht und Molière.

www.grips-theater.de

Man darf gespannt auf die Jubiläumsaufführung sein. Wird es 40 Marias geben? Schlüpft Petra Zieser nochmal in die Rolle der Risi? Geben sich Dieter Landuris und Thomas Ahrens die Ehre? Und verpflichtet sich Dietrich Lehmann, bis zu seinem 100. Geburtstag mitzuspielen? Die Schattenlichter sind auf jeden Fall dabei!

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Zahlreiche Fallstricke

Zahlreiche Fallstricke

In diesem Monat gibt es – wie so oft im Februar – einen Theater-Tipp in eigener Sache: 2023 spielten wir das Stück „Extrawurst“ von Dietmar Jacobs und Moritz Netenjakob. Von denselben Autoren ist nun ein neues Stück erschienen, das uns gleichermaßen begeistert: „Kalter weißer Mann“. Wir haben uns seit April 2025 damit beschäftigt und bringen es am 26., 27., und 28.2. in Zehlendorf-Mitte zur Aufführung.

Wenn sich der Vorhang öffnet, befinden sich die Zuschauerinnen und Zuschauer in einer Friedhofskapelle. Denn Gernot Steinfels, Patriarch einer Firma des alten deutschen Mittelstands, ist im Alter von 94 Jahren verstorben. Sein Mitarbeiter Horst Bohne freut sich, nun endlich die Nachfolge antreten zu können – schließlich ist er auch schon bald im Rentenalter.

Zunächst richtet Bohne für das Unternehmen die Beisetzung aus, inklusive eines wuchtigen Trauerkranzes samt gediegener Schleife. Doch Bohnes Text auf der Schleife sorgt für heftige Irritationen: „In tiefer Trauer. Deine Mitarbeiter“. Nicht nur die weiblichen Kolleginnen sind empört: Wieso nicht „… und Mitarbeiterinnen“? Oder vielleicht „Deine Mitarbeiter_Innen“ bzw. „Deine Mitarbeiter*innen“?

Eine erhitzte Kulturdebatte entfacht sich, in der Genderthematik, Sexismus und politisch korrektes Verhalten höchst emotional abgehandelt werden. Ein Thema führt zum nächsten …

Es wird offensichtlich, dass nicht nur der Umgang der Geschlechter miteinander jede Menge Fingerspitzengefühl erfordert, sondern dass auch zwischen den Boomern und den Generationen X, Y und Z zahlreiche Fallstricke lauern.

Vor dem Theaterpublikum, das die versammelte trauernde Firmenbelegschaft verkörpert, zerfleischt sich die Belegschaft der Firma immer mehr. Nicht einmal der verzweifelte Pfarrer kann die Wogen glätten: „Wenn man denen etwas vom Neuen Testament erzählt, denken sie, sie hätten geerbt …“.

Es gibt noch Karten für die Premiere sowie für den zweiten Aufführungstag: www.schattenlichter.info

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Mal wieder herrlich über Extrawürste streiten

Mal wieder herrlich über Extrawürste streiten

Der Theater-Tipp ist in diesem Monat ein Kinotipp, denn die Autoren von „Extrawurst“ haben gut fünf Jahre nach ihrem Theatermanuskript auch ein Filmdrehbuch geschrieben. Da die Schattenlichter „Extrawurst“ vor drei Jahren gespielt hatten und in Kürze das nächste Stück derselben Autoren aufführen werden, war die Spannung auf den Film sehr groß.

So machten sich 16 Schattenlichter gestern ins Adria-Kino in Berlin-Steglitz auf und hatten einen hervorragenden Abend beim Betrachten des Tennisclubs, der sich über der Frage, ob das einzige muslimische Vereinsmitglied einen eigenen Grill für seine „Extrawurst“ benötigt, regelrecht (Achtung, Wortspiel!) „zerfleischt“.

Große Teile des Theaterstücks haben die Autoren Dietmar Jacobs und Moritz Netenjacob wörtlich ins Filmdrehbuch übernommen, so dass die Schattenlichter ihre alten Texte im Geiste mitsprechen konnten. Andere Passagen wurden dazugeschrieben, so dass noch zwei, drei aktuellere Themen aufgegriffen werden konnten. Sehr gelungen!

Dabei gibt es im Film naturgemäß den Vorteil, an mehreren unterschiedlichen Schauplätzen spielen zu können, so dass zum Versammlungsraum des Tennisclubs, in dem sich die Theaterhandlung komplett abspielt, auch die Tennishalle, der Materialraum, der Vorplatz des Vereinsheims und kurz auch andere Orte wie die Wohnung des Vereinsvorsitzenden hinzukommen. Das sorgt nicht nur für Abwechslung, sondern gibt dem Publikum auch weitere Informationen – zum Beispiel darüber, wie der Vorsitzende denn so lebt und welche Rolle der Tennisclub in seinem Leben gespielt hat.

Extrem erheiternd war es zu sehen, wie die eigenen Rollen auf großer Leinwand von bekannten Schauspielern wie Hape Kerkeling, Friedrick Mücke, Fahri Yardim, Anja Knauer und Christoph Maria Herbst dargestellt wurden. Da kann man sich als Laien-Schattenlicht so manche Inspiration holen.

Die Schattenlichter schreiben seit mehr als 25 Jahren in jedes Stück eine kleine lustige Rolle für ihren langjährigen Bühnenbildner und Beleuchter – den sogenannten Hitchcock-Auftritt. Etwas Ähnliches haben sich die Filmautoren für Milan Peschel ausgedacht, der ja oft mit skurrilen Rollen glänzt. Diesmal war er der unbegabte Techniker des Tennisclubs, der erfolglos versucht, die Ballmaschine zu reparieren, so dass dem diskutierenden Vorstandsteam diverse Tennisbälle um die Ohren geballert werden.

Das war so lustig, dass es einem richtig leidtut, so etwas auf der Bühne des Paulus-Gemeindehauses nicht machen zu können!

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Alles dreht sich

Alles dreht sich

Die Schattenlichter finden es immer spannend zu sehen, wie ein anderes Genre für die Bühne adaptiert wird. Heute gab es im Renaissance-Theater die Gelegenheit, zu sehen, wie sich der Kinofilm „Nebenan“ auf einer Bühne macht. Zwei Schattenlichter waren dabei!

Der Film kam 2021 in die Kinos. Ich erinnere mich noch, wie ich ihn mit Maske und mit einem Sitzplatz Abstand zu den nächsten Kinobesuchern ansehen musste. Das änderte aber nichts daran, dass mich der Inhalt und die Schauspieler begeisterten – allen voran Daniel Brühl und Peter Kurth in den Hauptrollen.

Die Idee zur Handlung des Films hatte Daniel Brühl, das Drehbuch schrieb Daniel Kehlmann. Ebendieser schrieb nun auch das Theaterstück, das derzeit in mindestens einem halben Dutzend deutschen Theatern zu sehen ist.

Es geht um einen bekannter Filmschauspieler – im Film Daniel Brühl, im Renaissance-Theater Oliver Mommsen. Beruflich und privat äußerst erfolgreich, trifft er kurz vor einem wichtigen Casting in London unten in der Eckkneipe in dem Haus, in dem er ein Loft besitzt, auf einen ihm unbekannten Nachbarn – im Film Peter Kurth, auf der Bühne Stephan Grossmann. Erst wirkt der Nachbar nur wie ein etwas nerviger frustrierter Wendeverlierer und wie ein selbstmitleidiges Gentrifizierungsopfer; sein Vater wurde aus genau der Wohnung gedrängt, die dann zum Loft des Schauspielers ausgebaut wurde.

Doch dann beginnt der Nachbar, zahlreiche Filme des Schauspielers zu kritisieren, und überrascht durch große Detailkenntnis. Aber auch das ist aber nur die Vorstufe zu dem, was dann passiert: Der Nachbar enthüllt immer mehr Details aus dem Privatleben des Schauspielers. Das ist zum einen recht gruselig – woher weiß er das alles? –, zum anderen sind viele dieser Informationen für den Schauspieler neu – beispielsweise, was seine Familie so tut, wenn er beruflich auf Reisen ist.

Schließlich entpuppt sich der Nachbar als Mitarbeiter eines Kreditkartenunternehmens, der sich aus den Kontobewegungen seiner Kunden ein exaktes Bild von deren Leben machen kann und – offenbar mit Stasi-Vergangenheit und entsprechender Berufserfahrung – dies mit großer Akribie verfolgt. Immer wenn der Schauspieler zum Taxi will, bekommt er ein neues Detail serviert, bis er schließlich seinen Flug zum Casting verpasst und auch noch alles mögliche Andere den Bach runtergeht. Mehr soll hier nicht verraten werden.

Mommsen und Grossmann geben ein ebenso ungleiches Duo ab wie Brühl und Kurth. Es macht Spaß, dabei zuzusehen, wie der eitle Schauspieler langsam von seinem hohen Ross heruntergeholt wird. Zugleich sind die Methoden, mit denen dies geschieht, keinesfalls positiv zu bewerten.

Da der Kinofilm bereits wie ein Kammerspiel war und zumindest in unserer Erinnerung hauptsächlich in einer Eckkneipe spielte, war zu erwarten, dass auch im Renaissance-Theater nur ein einziges Bühnenbild benötigt werden würde. Dem war auch so: Ein Tresen, ein paar Hocker, zwei Tischchen, eine Musikbox und eine Dartscheibe – und fertig ist die Kneipe! Überraschend: Die Kneipe stand auf einer Drehbühne, und nach jeder Szene drehte sich das Bühnenbild um ein paar Grad weiter. Hatte der Tresen anfangs von rechts in die Bühne geragt, war er bald frontal zu sehen und wanderte schließlich nach links. Das verschaffte den Zuschauenden unterschiedliche Einblicke in die Kulisse und war spannender als ein statisches Bühnenbild. Man könnte interpretieren, dass sich dadurch der Blickwinkel des Publikums auf die Handelnden verändert – oder dass nichts im Leben einen wirklichen Halt bietet!

Ebenso wichtig, um das Stück nicht zu statisch sein zu lassen, waren die markige Kneipenbesitzerin hinter dem Tresen sowie ein aggressiver Alki, der zu überraschenden Zeitpunkten die Handlung kommentiert oder sich anderweitig den Frust von der Seele schreit.

Ein sehr kurzweiliger Theaterabend, der sich lohnt! Gleich morgen und übermorgen, am 29. und 30. November, ist das Stück wieder zu sehen: Karten unter www.renaissance-theater.de

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