Hochsommerlich schwitzen bei „Sonne und Beton“

Die Schattenlichter sehen sich immer gerne Theaterstücke an, die aus erfolgreichen Kinofilmen entstanden sind. Deshalb waren sie auch gespannt auf das Stück „Sonne und Beton“ in der „DT Box“ des Deutschen Theaters. Der gleichnamige Kinofilm lief 2023.
Vorab: Es war gar nicht so einfach, Karten zu bekommen, denn meist wird das Stück in Berliner Schulklassen aufgeführt. Dass es jetzt ausgerechnet in der bislang heißesten Woche des Jahres für allgemeine Theatergäste zu sehen war, passte bestens zum Stücktitel und zum Flair des Films.
Auch in der „DT Box“ wird eine Klassenraumsituation nachempfunden: Jugendliche sitzen nicht nur auf der Publikumstribüne, sondern auch an vier Schultischen am rechten und linken Bühnenrand, wo sie hin und wieder in die Handlung einbezogen werden. Ein originelles Konzept!
Im Film wie auch auf der Bühne geht es um die vier Schulfreunde Lukas, Julius, Gino und Sanchez. Sie sind vom tristen Berliner Sommer in den Hochhausschluchten Berliner Gropiusstadt gelangweilt. Abgesehen von der Schule scheint der Sommer für sie nur Ärger und Schlägereien bereitzuhalten. Doch dann kommt Sanchez auf eine Idee: Er hat erfahren, dass seine Schule eine Lieferung neuer Computer erwartet, mit denen sich schnelles Geld verdienen ließe. Ist das endlich der ersehnte Ausweg aus der Trostlosigkeit?
Auf der Bühne werden die vier Freunde sowie ihre Lehrer, Brüder, Väter und Feinde von zwei Personen gespielt: ein Schauspieler ist dauerhaft Lukas, eine Schauspielerin stellt alle anderen dar. Das funktioniert gut, ist kurzweilig und bisweilen auch sehr witzig, weil Welten liegen zwischen dem weinerlichen Sozialarbeitertyp-Schulleiter und beispielsweise dem brutalen Anführer einer Gang im Park.
Unsere Lieblingsszene ist die, in der Lukas wegen des Diebstahls zum Schulleiter gerufen wird. Der Schüler rechnet damit, dass der Diebstahl aufgeklärt worden ist. Aber im Gegenteil: Der Schulleiter will ihn „als einzigen deutschen Schüler“ überzeugen, dass er sich in der Klasse umhören soll, welcher der zahlreichen Migranten für den Diebstahl verantwortlich ist. Während Lukas hier bevorzugt wird, gibt er sich unter den Jugendlichen als Pole aus – „ist leichter“.
Bemerkenswert war auch, dass Lukas‘ Darsteller trotz großer Hitze dauerhaft im authentischen grauen Hoodie mit Kapuze spielte. Das Publikum schwitzte schon im T-Shirt …
Wer sich das Stück im DT ansehen oder das Ensemble in seine Schule einladen möchte, findet Infos unter www.deutschestheater.de/programm/produktionen/sonne-und-beton.
Für die Wartezeit bietet sich auch die gleichnamige Lektüre an: Der Coming-of-age-Roman von Felix Lobrecht erschien 2017. Hier erfährt man auch, dass die Handlung von „Sonne und Beton“ im sogenannten Rekordsommer 2003 spielte. Die damalige extreme Hitzewelle führte deutschlandweit zu mehreren tausend Todesfällen.
