Kiezkamera
Aus: Tagesspiegel-Newsletter für Steglitz-Zehlendorf (12.2.2026)
Autor: Boris Buchholz


Fortsetzung:
… Mail. Für alle, die nicht gewinnen, kann trotzdem der Vorhang aufgehen: Tickets für „Kalter weißer Mann“ sind hier online erhältlich.
Aus: Tagesspiegel-Newsletter für Steglitz-Zehlendorf (12.2.2026)
Autor: Boris Buchholz


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… Mail. Für alle, die nicht gewinnen, kann trotzdem der Vorhang aufgehen: Tickets für „Kalter weißer Mann“ sind hier online erhältlich.

In diesem Monat gibt es – wie so oft im Februar – einen Theater-Tipp in eigener Sache: 2023 spielten wir das Stück „Extrawurst“ von Dietmar Jacobs und Moritz Netenjakob. Von denselben Autoren ist nun ein neues Stück erschienen, das uns gleichermaßen begeistert: „Kalter weißer Mann“. Wir haben uns seit April 2025 damit beschäftigt und bringen es am 26., 27., und 28.2. in Zehlendorf-Mitte zur Aufführung.
Wenn sich der Vorhang öffnet, befinden sich die Zuschauerinnen und Zuschauer in einer Friedhofskapelle. Denn Gernot Steinfels, Patriarch einer Firma des alten deutschen Mittelstands, ist im Alter von 94 Jahren verstorben. Sein Mitarbeiter Horst Bohne freut sich, nun endlich die Nachfolge antreten zu können – schließlich ist er auch schon bald im Rentenalter.
Zunächst richtet Bohne für das Unternehmen die Beisetzung aus, inklusive eines wuchtigen Trauerkranzes samt gediegener Schleife. Doch Bohnes Text auf der Schleife sorgt für heftige Irritationen: „In tiefer Trauer. Deine Mitarbeiter“. Nicht nur die weiblichen Kolleginnen sind empört: Wieso nicht „… und Mitarbeiterinnen“? Oder vielleicht „Deine Mitarbeiter_Innen“ bzw. „Deine Mitarbeiter*innen“?
Eine erhitzte Kulturdebatte entfacht sich, in der Genderthematik, Sexismus und politisch korrektes Verhalten höchst emotional abgehandelt werden. Ein Thema führt zum nächsten …
Es wird offensichtlich, dass nicht nur der Umgang der Geschlechter miteinander jede Menge Fingerspitzengefühl erfordert, sondern dass auch zwischen den Boomern und den Generationen X, Y und Z zahlreiche Fallstricke lauern.
Vor dem Theaterpublikum, das die versammelte trauernde Firmenbelegschaft verkörpert, zerfleischt sich die Belegschaft der Firma immer mehr. Nicht einmal der verzweifelte Pfarrer kann die Wogen glätten: „Wenn man denen etwas vom Neuen Testament erzählt, denken sie, sie hätten geerbt …“.
Es gibt noch Karten für die Premiere sowie für den zweiten Aufführungstag: www.schattenlichter.info

Der Theater-Tipp ist in diesem Monat ein Kinotipp, denn die Autoren von „Extrawurst“ haben gut fünf Jahre nach ihrem Theatermanuskript auch ein Filmdrehbuch geschrieben. Da die Schattenlichter „Extrawurst“ vor drei Jahren gespielt hatten und in Kürze das nächste Stück derselben Autoren aufführen werden, war die Spannung auf den Film sehr groß.
So machten sich 16 Schattenlichter gestern ins Adria-Kino in Berlin-Steglitz auf und hatten einen hervorragenden Abend beim Betrachten des Tennisclubs, der sich über der Frage, ob das einzige muslimische Vereinsmitglied einen eigenen Grill für seine „Extrawurst“ benötigt, regelrecht (Achtung, Wortspiel!) „zerfleischt“.
Große Teile des Theaterstücks haben die Autoren Dietmar Jacobs und Moritz Netenjacob wörtlich ins Filmdrehbuch übernommen, so dass die Schattenlichter ihre alten Texte im Geiste mitsprechen konnten. Andere Passagen wurden dazugeschrieben, so dass noch zwei, drei aktuellere Themen aufgegriffen werden konnten. Sehr gelungen!
Dabei gibt es im Film naturgemäß den Vorteil, an mehreren unterschiedlichen Schauplätzen spielen zu können, so dass zum Versammlungsraum des Tennisclubs, in dem sich die Theaterhandlung komplett abspielt, auch die Tennishalle, der Materialraum, der Vorplatz des Vereinsheims und kurz auch andere Orte wie die Wohnung des Vereinsvorsitzenden hinzukommen. Das sorgt nicht nur für Abwechslung, sondern gibt dem Publikum auch weitere Informationen – zum Beispiel darüber, wie der Vorsitzende denn so lebt und welche Rolle der Tennisclub in seinem Leben gespielt hat.
Extrem erheiternd war es zu sehen, wie die eigenen Rollen auf großer Leinwand von bekannten Schauspielern wie Hape Kerkeling, Friedrick Mücke, Fahri Yardim, Anja Knauer und Christoph Maria Herbst dargestellt wurden. Da kann man sich als Laien-Schattenlicht so manche Inspiration holen.
Die Schattenlichter schreiben seit mehr als 25 Jahren in jedes Stück eine kleine lustige Rolle für ihren langjährigen Bühnenbildner und Beleuchter – den sogenannten Hitchcock-Auftritt. Etwas Ähnliches haben sich die Filmautoren für Milan Peschel ausgedacht, der ja oft mit skurrilen Rollen glänzt. Diesmal war er der unbegabte Techniker des Tennisclubs, der erfolglos versucht, die Ballmaschine zu reparieren, so dass dem diskutierenden Vorstandsteam diverse Tennisbälle um die Ohren geballert werden.
Das war so lustig, dass es einem richtig leidtut, so etwas auf der Bühne des Paulus-Gemeindehauses nicht machen zu können!
Aus: Tagesspiegel-Newsletter für Steglitz-Zehlendorf (15.1.2026)
Autor: Boris Buchholz
Die Zehlendorfer Laientruppe „Schattenlichter“ zeigt ab dem 26. Februar ihr neues Stück „Kalter weißer Mann“. Es ist eine Geschichte, die in einer Friedhofskapelle beginnt: Ein Firmenpatriarch ist im Alter von 94 Jahren gestorben. Auf der Trauerfeier zerfleischt sich die Belegschaft zusehends, es kommt zu Generationen-Streit und Geschlechter-Debatte. Noch gibt es für das Stück Tickets – die Theaterleute warnen das interessierte Publikum, dass die Billets begehrt sind, der dritte und letzte Abend sei schon fast komplett ausverkauft.
Donnerstag, 26. Februar, 19.30 Uhr;
Freitag, 27. Februar, 19.30 Uhr
Samstag, 28. Februar, 18.00 Uhr
Gemeindehaus der Evangelischen Paulus-Gemeinde Zehlendorf, Teltower Damm 6, 14169 Berlin
Tickets für 5 Euro zuzüglich Vorverkaufsgebühr
Online-Tickets: www.schattenlichter.info