„Dann müssen Sie eben noch eine Nachtschicht dranhängen!“
Wer in diesem Monat beim Theaterbesuch mal wieder schallend lachen möchte, aber nicht über erdachte Witze, sondern über skurrile, gut recherchierte Fakten, der ist bei diesem Theater-Tipp richtig: Drei Schattenlichter testeten am Wochenende „Die Rückkehr der Späti-Ritter“ in der Distel, dem traditionellen Kabarett-Theater in der Friedrichstraße.
Schauplatz der Handlung ist Wolles Späti mitten im Berliner Regierungsviertel: Heute kommen alle in die Hauptstadt – aber nicht, um miteinander zu sprechen, sondern um gegeneinander zu demonstrieren. Da gibt es einen Professor, der mit seinem Smartphone für sein Recht auf ein analoges Leben kämpft, renitente Rentner, die sich für eine günstige SB-Bestattung einsetzen, Berliner Ur-Einwohner und Touristen aus Oberbayern, seltene Kita-Kröten aus dem Bionade-Bullerbü des Prenzlauer Bergs. Doch was machen die alle ausgerechnet in Wolles Späti?
Und dann ist da noch dieser Sonderling Friedrich Merz, der Wolle erklärt, er solle noch länger arbeiten, obwohl sein Späti bereits 24 Stunden geöffnet ist: „Ja, der Tag hat 24 Stunden, Herr Wolle, aber wenn das nicht reicht, müssen Sie eben noch eine Nachtschicht dranhängen.“ Das ganze Panoptikum des Landes in einem kleinen Kiosk.
Manchmal ist man verwundert, was für Texte da auf der Bühne zitiert werden. Beispielsweise: Ist das wirklich das Wahlprogramm der AfD Sachsen-Anhalt? Kann doch gar nicht sein!
Wie immer beim Kabarett gibt es Episoden, die einem besser gefallen, und andere, die einem nicht so viel sagen. Unterm Strich stimmt die Mischung, und auch die musikalischen Einlagen und das Auftauchen von Yoda & Co. sorgen für einen kurzweiligen Abend mit vielen Lachern und Aha-Effekten.
Das Späti-Stück ist wieder am Wochenende 29. bis 31. Mai zu sehen. Karten gibt es auf www.distel-berlin.de.
