Ewige Jugend
Nur noch morgen und übermorgen ist ein Theaterstück zu sehen, dass zwei Schattenlichter heute Abend im Renaissance-Theater sahen.
Re-Naissance passt schon mal ganz gut zum Thema des Stückes: Es geht um ein Wundermittel, das eine Wissenschaftlerin erfunden hat, um die Alterung von Frauen aufzuhalten und ihnen ewige Jugend und dauerhafte Fortpflanzungsmöglichkeiten zu bescheren.
Das Stück mit dem Titel „Division“ – auch als „Die Vision“ lesbar – schrieben die Schauspielerin Katja Riemann und ihre Tochter, die Tänzerin und Choreografin Paula Romy.
Dabei ist Katja Riemann 90 Minuten lang sprechend, tanzend und singend auf der Bühne zu erleben, Paula Romy ist in einigen Videosequenzen zu sehen. Es geht dabei nicht nur um den Umgang der Frauen mit ihrem alternden Korper, sondern auch um biologische Gleichberechtigung. Hinzu kommen viele Themen und Probleme, die damit verknüpft sind.
Riemann transportiert in ihrer Rolle als Wissenschaftlerin und Erfinderin des Wundermittels viele Fakten, aufgelockert durch teils sehr kurzweilige Videoeinspielungen und Telefonate mit dem Bruder der Bühnenfigur, der einen Gegenpol zu der Wissenschaftlerin darstellt. Die Tagesschau berichtet in Wort und Bild über Männer, die verbotenerweise das nur für Frauen bestimmte Mittel einnahmen und kurz darauf explodierten. Kinder berichten als Zeugen und spielen mit Blutflecken beschmiert auf der Straße. Gegnerinnen des Wundermittels demonstrieren vor der Haustür der Naturwissenschaftlerin.
Trotz dieser Auflockerungen bleibt das Stück aber textlastig; die geballten Fakten ermüden das Publikum allmählich. Dennoch bekommt Riemann tosenden Beifall. Auch in den Pausengesprächen entsteht der Eindruck, dass viele der Zuschaueinnen und Zuschauer nicht wegen des Themas ins Theater gekommen sind, sondern weil sie Katja Riemann aus Kinofilmen kennen und gerne mal auf der Bühne erleben wollten. Und was sie da leistet, ist wirklich beeindruckend.
Amüsiert hat die Schattenlichter auch, dass Riemanns einzige Interaktion mit dem Publikum ausgerechnet mit einem Schattenlicht zusammenhing: Während einer Kunstpause in einem theorielastigen Beitrag muss das Schattenlicht recht laut niesen. Riemann wünscht „Gesundheit“, wartet das Dankeschön ab, lässt einen Moment Pause, um sich und dem Publikum Zeit zum Konzentrieren zu geben, und fährt mit ihrem Vortrag fort.