Pausenloses Theater
Schrieben wir kürzlich an dieser Stelle über den bizarren Trend, Theaterstücke ohne Pause in 90 Minuten aufzuführen, so können wir nun gar von einer Steigerung berichten: Die Schaubühne zeigt ihren „Professor Bernhardi“ ohne Pause in 2 Stunden und 45 Minuten.
Uff, möchte man schon im Vorfeld denken, und es ist denn auch so, dass die Pause fehlt, um sich mit den anderen Schattenlichtern über das Bühnengeschehen auszutauschen und um eventuell anderen noch profaneren Bedürfnissen nachzukommen. Dennoch lassen sich die gefühlten drei Stunden gut aushalten, denn das Arthur-Schnitzler-Stück ist kurzweilig und packend.
Der 100 Jahre alte Stoff wirkt im modernen Bühnenbild erstaunlich zeitlos, denn Opportunismus, Karrieristen und Lügner gab es damals wie heute. Jörg Hartmann nicht als Stasimann oder Tatort-Kommissar im Fernsehen zu sehen, sondern live auf einer Bühne, ist toll. Umso erfreulicher, dass dieser wandlungsfähige Schauspieler nun wieder fest zum Ensemble der Schaubühne gehört, wie schon einmal ein Jahrzehnt lang ab 1999.
Raffiniert ist auch das Bühnenbild: Es ist schlicht, arbeitet aber häufig mit Live-Filmaufnahmen von der Bühne, die mit vorab erstellten Filmen vermischt werden. Die Chance, das Stück bis zur Sommerpause zu sehen, ist leider verpasst, aber das Stück wird auch noch im September nichts von seiner Aktualität eingebüßt haben. Unser Tipp: Immer gleich am Ersten eines Monats nach Karten für den Folgemonat gucken. Dann gibt’s sogar Plätze für 7 Euro, die durchaus akzeptabel sind!