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Das schMERZt!

Das schMERZt!

Während sich andere Berliner Theater auf die Sommerferien und eine lange Spielpause einstimmen, bietet das Kabarett-Theater Distel in der Friedrichstraße ein Sommer-Special an: Im Juli und August kosten alle Tickets nur 28 Euro, und auf spritzige Sommergetränke gibt es ab der Bar 50 Prozent Sommerrabatt.

Die Schattenlichter haben das Sommer-Special getestet – mit einem der vier in diesem Rahmen angebotenen Programme:

Die SchMERZtherapie
Mit dem Lastenrad durch die Wand

Die kleinste GroKo aller Zeiten will das Land regieren. Da ist Gegenwind vorprogrammiert, denn die Debattenkultur im Parlament ist auf dem Tiefpunkt angelangt. Die sprachlichen Fähigkeiten vieler Hinterbänkler sind mittlerweile schlechter als die von Bushido und Dieter Bohlen – also deutlich unter Normalnull.

Ein Seminar muss her! Vertrauensübungen, Konfrontationen, Brücken bauen. Und so werden drei Abgeordnete des Bundestags zur SchMERZtherapie verdonnert.

Aber nicht nur sie, denn auch der Kanzler übt sich in Wut-Management – bis der Therapie-Roboter durchbrennt. Markus Söder, Heidi Reichinnek und Marie-Agnes Strack-Zimmermann liefern sich einen Wettstreit im Abgesang auf ihre Parteien, während sich Lars Klingbeil Schuldscheine für den Bundeshaushalt druckt.

Obwohl das alles ja sehr beunruhigend ist, hatten die Schattenlichter viel zu lachen: Gelungene Personenimitationen, perfekte Dialekte und jede Menge Humor sorgten dafür, dass das politische Trauerspiel nicht als ein solches rüberkommt.

Unbedingt hingehen!

Die nächsten Therapieeinheiten gibt es vom 21. bis zum 26. Juli. Viel Spaß und gute Erhellung!

Die Bilder zeigen die Schattenlichter im Kreis der Kabaretttruppe und mit der Werbung fürs Sommer-Special.

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Hochsommerlich schwitzen bei „Sonne und Beton“

Hochsommerlich schwitzen bei „Sonne und Beton“

Die Schattenlichter sehen sich immer gerne Theaterstücke an, die aus erfolgreichen Kinofilmen entstanden sind. Deshalb waren sie auch gespannt auf das Stück „Sonne und Beton“ in der „DT Box“ des Deutschen Theaters. Der gleichnamige Kinofilm lief 2023.

Vorab: Es war gar nicht so einfach, Karten zu bekommen, denn meist wird das Stück in Berliner Schulklassen aufgeführt. Dass es jetzt ausgerechnet in der bislang heißesten Woche des Jahres für allgemeine Theatergäste zu sehen war, passte bestens zum Stücktitel und zum Flair des Films.

Auch in der „DT Box“ wird eine Klassenraumsituation nachempfunden: Jugendliche sitzen nicht nur auf der Publikumstribüne, sondern auch an vier Schultischen am rechten und linken Bühnenrand, wo sie hin und wieder in die Handlung einbezogen werden. Ein originelles Konzept!

Im Film wie auch auf der Bühne geht es um die vier Schulfreunde Lukas, Julius, Gino und Sanchez. Sie sind vom tristen Berliner Sommer in den Hochhausschluchten Berliner Gropiusstadt gelangweilt. Abgesehen von der Schule scheint der Sommer für sie nur Ärger und Schlägereien bereitzuhalten. Doch dann kommt Sanchez auf eine Idee: Er hat erfahren, dass seine Schule eine Lieferung neuer Computer erwartet, mit denen sich schnelles Geld verdienen ließe. Ist das endlich der ersehnte Ausweg aus der Trostlosigkeit?

Auf der Bühne werden die vier Freunde sowie ihre Lehrer, Brüder, Väter und Feinde von zwei Personen gespielt: ein Schauspieler ist dauerhaft Lukas, eine Schauspielerin stellt alle anderen dar. Das funktioniert gut, ist kurzweilig und bisweilen auch sehr witzig, weil Welten liegen zwischen dem weinerlichen Sozialarbeitertyp-Schulleiter und beispielsweise dem brutalen Anführer einer Gang im Park.

Unsere Lieblingsszene ist die, in der Lukas wegen des Diebstahls zum Schulleiter gerufen wird. Der Schüler rechnet damit, dass der Diebstahl aufgeklärt worden ist. Aber im Gegenteil: Der Schulleiter will ihn „als einzigen deutschen Schüler“ überzeugen, dass er sich in der Klasse umhören soll, welcher der zahlreichen Migranten für den Diebstahl verantwortlich ist. Während Lukas hier bevorzugt wird, gibt er sich unter den Jugendlichen als Pole aus – „ist leichter“.

Bemerkenswert war auch, dass Lukas‘ Darsteller trotz großer Hitze dauerhaft im authentischen grauen Hoodie mit Kapuze spielte. Das Publikum schwitzte schon im T-Shirt …

Wer sich das Stück im DT ansehen oder das Ensemble in seine Schule einladen möchte, findet Infos unter www.deutschestheater.de/programm/produktionen/sonne-und-beton.

Für die Wartezeit bietet sich auch die gleichnamige Lektüre an: Der Coming-of-age-Roman von Felix Lobrecht erschien 2017. Hier erfährt man auch, dass die Handlung von „Sonne und Beton“ im sogenannten Rekordsommer 2003 spielte. Die damalige extreme Hitzewelle führte deutschlandweit zu mehreren tausend Todesfällen.

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Was ist eine Gefühlstasche?

Was ist eine Gefühlstasche?

Was ist eigentlich eine Gefühlstasche? Ein Theaterstück mit diesem Namen wird derzeit vom „Altberliner Schmalzstullentheater“ in Berlin-Lichterfelde aufgeführt. Fünf Schattenlichter sahen sich die gestrige Vorstellung an.

Die Gefühlstasche, eine knallrote Lackhandtasche, befindet sich schon zu Stückbeginn unübersehbar und effektvoll angestrahlt auf einem Tisch. Dieser steht in einem Ferienapartment, das drei befreundete Ehepaare fürs Wochenende gemietet haben.

Nachdem sich herausgestellt hat, dass niemandem die Tasche gehört und auch der Vermieter nichts über sie weiß, öffnen die sechs mit spitzen Fingern die Tasche. Sie scheint leer zu sein. Erst beim genaueren Untersuchen fällt ein Zettel aus der Tasche – mit der dubiosen Nachricht „Einer von Euch spielt falsch!“.

Dieser eine Satz reicht aus, um den Freundinnen und Freunden auf den Zahn zu fühlen: Und schon bald stellt sich heraus, dass mehr als einer angesichts dieses Textes sein Gewissen erleichtern muss und zum großen Geständnis ansetzt. Was dabei herauskommt, ist überraschend – für die Ehepartner ebenso wie fürs Publikum!

Warum der Untertitel des Stück „Das missglückte Geheimnis“ lautet und wer die Tasche aus welchen Gründen im Ferienhaus platziert hat, kann hier noch nicht verraten werden. Wer es herausfinden will, hat noch am Freitag, 12. Juni, 20 Uhr, und am Samstag, 13. Juni, 19 Uhr, die Gelegenheit dazu.

Der Eintritt beträgt 7 Euro, für Schüler und Studis 3,50 Euro. Karten gibt es im Gemeindebüro, Ostpreußendamm 64, und an der Abendkasse. Die Aufführungen finden im Gemeindehaus der Petrus-Giesensdorf-Kirchengemeinde in der Parallelstraße 29 in Lichterfelde-Ost statt. Es werden auch Kuchen, Schmalzstullen und Getränke angeboten. Der Autor Bernd Sprehling hat höchstpersönlich die Premiere besucht und war voll des Lobes für die Inszenierung.

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„Dann müssen Sie eben noch eine Nachtschicht dranhängen!“

„Dann müssen Sie eben noch eine Nachtschicht dranhängen!“

Wer in diesem Monat beim Theaterbesuch mal wieder schallend lachen möchte, aber nicht über erdachte Witze, sondern über skurrile, gut recherchierte Fakten, der ist bei diesem Theater-Tipp richtig: Drei Schattenlichter testeten am Wochenende „Die Rückkehr der Späti-Ritter“ in der Distel, dem traditionellen Kabarett-Theater in der Friedrichstraße.

Schauplatz der Handlung ist Wolles Späti mitten im Berliner Regierungsviertel: Heute kommen alle in die Hauptstadt – aber nicht, um miteinander zu sprechen, sondern um gegeneinander zu demonstrieren. Da gibt es einen Professor, der mit seinem Smartphone für sein Recht auf ein analoges Leben kämpft, renitente Rentner, die sich für eine günstige SB-Bestattung einsetzen, Berliner Ur-Einwohner und Touristen aus Oberbayern, seltene Kita-Kröten aus dem Bionade-Bullerbü des Prenzlauer Bergs. Doch was machen die alle ausgerechnet in Wolles Späti?

Und dann ist da noch dieser Sonderling Friedrich Merz, der Wolle erklärt, er solle noch länger arbeiten, obwohl sein Späti bereits 24 Stunden geöffnet ist: „Ja, der Tag hat 24 Stunden, Herr Wolle, aber wenn das nicht reicht, müssen Sie eben noch eine Nachtschicht dranhängen.“ Das ganze Panoptikum des Landes in einem kleinen Kiosk.

Manchmal ist man verwundert, was für Texte da auf der Bühne zitiert werden. Beispielsweise: Ist das wirklich das Wahlprogramm der AfD Sachsen-Anhalt? Kann doch gar nicht sein!

Wie immer beim Kabarett gibt es Episoden, die einem besser gefallen, und andere, die einem nicht so viel sagen. Unterm Strich stimmt die Mischung, und auch die musikalischen Einlagen und das Auftauchen von Yoda & Co. sorgen für einen kurzweiligen Abend mit vielen Lachern und Aha-Effekten.

Das Späti-Stück ist wieder am Wochenende 29. bis 31. Mai zu sehen. Karten gibt es auf www.distel-berlin.de.

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Fahr mal wieder U-Bahn!

Fahr mal wieder U-Bahn!

Nur wenige Tage nach meinem persönlichen Jubiläum „40 Jahre Mitglied bei den Schattenlichtern“ gibt es ein weiteres, natürlich viel aufregenderes Theaterjubiläum in Berlin:

Das Musical des GRIPS Theaters wurde am 30. April 1986 erstmals aufgeführt. Ich selbst habe es erst 1987 gesehen; man musste sich damals immer am ersten Sonntag des Monats am Hansaplatz in eine lange Vorverkaufsschlange stellen und bekam nur zwei Tickets pro Person.

Ich könnte jetzt einfach aus meinem Theater-Tipp zu „30 Jahre Linie 1“ zitieren! Aber den findet Ihr ja auch auf www.schattenlichter.info bei „Theater-Tipps“. Einfach zehn Jahre zurückscrollen!

Stattdessen ein kurzer Blick in die „Linie-1-Chronik“ von 1986 bis 2026:

„Linie 1“ ist nicht nur der größte Erfolg, den ein deutsches Musical je hatte; es war über Jahre das meistinszenierte, meistaufgeführte und meistbesuchte Theaterstück im deutschsprachigen Theaterraum und machte Volker Ludwig in den 1990er-Jahren zum meistgespielten Autor nach Shakespeare, Brecht und Molière.

www.grips-theater.de

Man darf gespannt auf die Jubiläumsaufführung sein. Wird es 40 Marias geben? Schlüpft Petra Zieser nochmal in die Rolle der Risi? Geben sich Dieter Landuris und Thomas Ahrens die Ehre? Und verpflichtet sich Dietrich Lehmann, bis zu seinem 100. Geburtstag mitzuspielen? Die Schattenlichter sind auf jeden Fall dabei!

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Das Alte vergeht – Neues entsteht

Das Alte vergeht – Neues entsteht

Aus: Paulus Blätter (April 2026)
Autor: Detlev Riemer 

Kurz vor der Trauerfeier für den erfolgreichen Firmengründer übt sein langjähriger Mitarbeiter für seine Ansprache und ist sich ganz sicher, dass er (wer denn sonst?) die Nachfolge des Verstorbenen antreten wird.

Aber Halt! Der Text auf der Kranzschleife spricht nur von trauernden Mitarbeitern. Wo bleiben die Mitarbeiterinnen der Firma? Daraus erwächst eine hitzige Debatte mit einem kritischen Blick auch auf die Persönlichkeit des Seniorchefs. Seine Sekretärinnen erinnern sich an diese und jene Vorkommnisse … Waren sie alle so harmlos? Das Publikum genoss die Situationskomik auf der Bühne. Ich aber sah im Hintergrund den Schatten von Jeffrey Epstein aufsteigen und begriff, dass es um mehr ging als um Wortklauberei und Bessersprecherei.

„Sprache, die für dich dichtet und denkt“ – Schiller wusste, wie sehr uns die Sprache in unserem Denken und Handeln formt. Eine neue Sprache aber erwächst nicht aus veränderten Duden-Regeln, sondern aus einer gerechteren Einstellung. Das Geschäftsmodell „(K)Alter weißer Mann“, das ja zugleich ein Menschenbild ist, muss sich ändern!

Die „Schattenlichter“ boten eine Teamleistung höchsten Formats. Weiter so!


Die Arbeitsversion dieses Artikels, die aufgrund von Platzmangel stark gekürzt werden musste, sah so aus:

Nur Arbeit war Dein Leben.
Treu und fleißig Deine Hand.
Ruhe hat Dir Gott gegeben.
Rasten hast Du nicht gekannt.

Gernot Steinfels hatte seine Firma vor 75 Jahren gegründet und sie zu Weltruf geführt. Nun ist er tot. Anlässlich der Trauerfeier erwartet man die Würdigung der Führungskraft des Verstorbenen, dessen Leben nur aus Arbeit bestand. Sein langjähriger Mitarbeiter und Vertrauter Horst Bohne (Mario Fuchs) übt schon für die Trauerrede, die er (im Namen der Firma) halten wird, und ist sich ganz sicher, dass er (wer denn sonst?) die Nachfolge des Firmenleiters antreten wird.

Aber Halt! Ist der Text auf der Kranzschleife nicht zu einseitig formuliert: „In tiefer Trauer. Deine Mitarbeiter“. Es gibt doch auch Mitarbeiterinnen in der Firma! Daraus entsteht Schritt für Schritt eine hitzige Genderdebatte, die, wie sich schnell zeigt, nicht durch gut gemeinte (beschwichtigende) Belehrung (Elke Brumm) gelöst werden kann. Durch den kritischen Blick auf die einseitige (männliche!) Verwendung der Sprache erscheint auch die Persönlichkeit des Seniorchefs mehr und mehr in einem kritischen Licht. Sein Nimbus wird nach und nach demontiert, indem seine Sekretärinnen sich an diese und jene Vorkommnisse erinnern … Waren sie alle so harmlos? Wir Zuschauer*innen genossen die Situationskomik auf der Bühne. Ich aber sah im Hintergrund den Schatten von Jeffrey Epstein aufsteigen und begriff, dass es um mehr ging als um Wortklauberei und Bessersprecherei.

Früher duldete ein Chef als „Platzhirsch“ keinen Widerspruch. Aber die Zeiten haben sich geändert, und mit der Zeit auch die Sprache. „Sprache, die für dich dichtet und denkt“ – Schiller wusste, wie sehr uns die (altgewohnte) Sprache in unserem Denken und Handeln formt. Eine neue Sprache aber erwächst nicht aus neuen Duden-Regeln, sondern aus einer neuen Einstellung zu den Sachfragen. Das Geschäftsmodell „(K)Alter weißer Mann“, das ja zugleich ein Menschenbild ist, muss sich ändern!

Die jungen Leute aus dem Vorstand haben das erkannt und vertreten ihre Position leidenschaftlich, aber, wie es scheint, zunächst rein spiegelbildlich (Elise Griepe): Setzen wir an die Stelle des Mannes eine Frau, wird alles gut. So einfach ist es nicht. Es zeigt sich, dass keiner (keine) frei von Eitelkeiten ist und seine (ihre) eigenen Machtspielchen trotz lautem Bekenntnis zu demokratischen Strukturen praktiziert.

Wer wie ich nicht mit Social Media vertraut ist, konnte sich leicht von den jungen Leuten irritieren lassen, die in der Trauerhalle ständig mit ihren Smartphones beschäftigt sind. Es zeigt sich aber, dass sie (!) vor allem im Interesse der Firma handeln. Ein Unternehmen von Weltruf muss ständig im Netz präsent sein, und da rächt sich der kleinste Fehler – wie z. B. die online sichtbare Kranzschleife mit ihrem einseitigen Text. „Man muss dem Volk aufs Maul schauen“, hatte Martin Luther gefordert. Die modernen Medien bringen es mit sich, dass uns selbst ständig aufs Maul geschaut wird und dass man bei jedem Fehler Gefahr läuft, aufs Maul geschlagen zu werden. Das schädigt das Image und den Unternehmenserfolg.

Horst Bohne, der Möchtegern-Nachfolger des Firmengründers, bemüht sich in immer neuen Anläufen um Verständnis. Er tut dies mit Ausdauer und nicht ohne Charme, tritt aber immer wieder in neues Fettnäpfchen. Es ist eben nicht mehr alles wie früher, auch wenn er es gern so hätte. So werden immer neue Konflikte aufgerissen. Schließlich rollen Tränen, und Akteure gehen beleidigt von der Bühne, aber am Ende kommt es doch zur Versöhnung, wozu der Pfarrer (der arme Mann war vor lauter Diskussion mit seiner Predigt über Christi Kreuzweg gar nicht zu Wort gekommen) nur noch seinen Segen geben kann. Mit dem Abgesang „Sing low, sweet chariot“ sangen sich Carola-Kristina Lane und Tanja Dappen in die Herzen der Zuschauer*innen.

Im zweiten Teil wirkte das Stück auf mich etwas langatmig. Hätte nicht ein Mitarbeiter des Bestattungsinstituts (Christof Brumm) den Kranz für die folgende Trauerfeier gebracht (natürlich mit einem gleichen Gender-Fauxpas im Schleifentext), wir säßen wohl immer noch vor dem Bild des alten weißen Mannes.

Mein Eindruck war, dass die „Schattenlichter“ diesmal als Ensemble sehr homogen aufgetreten sind – eine Teamleistung höchsten Formats. Dazu meinen persönlichen Glückwunsch. Weiter so!

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Zahlreiche Fallstricke

Zahlreiche Fallstricke

In diesem Monat gibt es – wie so oft im Februar – einen Theater-Tipp in eigener Sache: 2023 spielten wir das Stück „Extrawurst“ von Dietmar Jacobs und Moritz Netenjakob. Von denselben Autoren ist nun ein neues Stück erschienen, das uns gleichermaßen begeistert: „Kalter weißer Mann“. Wir haben uns seit April 2025 damit beschäftigt und bringen es am 26., 27., und 28.2. in Zehlendorf-Mitte zur Aufführung.

Wenn sich der Vorhang öffnet, befinden sich die Zuschauerinnen und Zuschauer in einer Friedhofskapelle. Denn Gernot Steinfels, Patriarch einer Firma des alten deutschen Mittelstands, ist im Alter von 94 Jahren verstorben. Sein Mitarbeiter Horst Bohne freut sich, nun endlich die Nachfolge antreten zu können – schließlich ist er auch schon bald im Rentenalter.

Zunächst richtet Bohne für das Unternehmen die Beisetzung aus, inklusive eines wuchtigen Trauerkranzes samt gediegener Schleife. Doch Bohnes Text auf der Schleife sorgt für heftige Irritationen: „In tiefer Trauer. Deine Mitarbeiter“. Nicht nur die weiblichen Kolleginnen sind empört: Wieso nicht „… und Mitarbeiterinnen“? Oder vielleicht „Deine Mitarbeiter_Innen“ bzw. „Deine Mitarbeiter*innen“?

Eine erhitzte Kulturdebatte entfacht sich, in der Genderthematik, Sexismus und politisch korrektes Verhalten höchst emotional abgehandelt werden. Ein Thema führt zum nächsten …

Es wird offensichtlich, dass nicht nur der Umgang der Geschlechter miteinander jede Menge Fingerspitzengefühl erfordert, sondern dass auch zwischen den Boomern und den Generationen X, Y und Z zahlreiche Fallstricke lauern.

Vor dem Theaterpublikum, das die versammelte trauernde Firmenbelegschaft verkörpert, zerfleischt sich die Belegschaft der Firma immer mehr. Nicht einmal der verzweifelte Pfarrer kann die Wogen glätten: „Wenn man denen etwas vom Neuen Testament erzählt, denken sie, sie hätten geerbt …“.

Es gibt noch Karten für die Premiere sowie für den zweiten Aufführungstag: www.schattenlichter.info

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