Einer Meldung des Tagesspiegels zufolge hat nun auch die Schaubühne am Lehniner Platz ihren Spielbetrieb auf die virtuelle Bühne verlegt.
Auf der Webseite des Theaters steht ab sofort täglich von 18:30 Uhr bis Mitternacht kostenfrei ein Onlineersatzspielplan mit täglich wechselndem Programm bereit.
Zu sehen sind Fernsehaufzeichnungen von Inszenierungen von Peter Stein, Luc Bondy und Klaus Michael Grüber. Los geht’s mit Ibsens „Volksfeind“.
Es sei naheliegend, mit Henrik Ibsens „Volksfeind“ zu beginnen, sagte der künstlerische Leiter Thomas Ostermeier. In dem Stück bedroht das verseuchte Grundwasser eines Badeorts die Gesundheit der Menschen, und es entbrennt ein Konflikt um die Frage, was vernünftigerweise zu tun sei.
Die aktuellen Corona-bedingten Vorsichtsmaßnahmen führten bekanntlich auch zur vorübergehenden Schließung der Berliner Theater. Vier Schattenlichter hatten Karten für „Schmetterlinge sind frei“ im Schlosspark-Theater gekauft und sich auf den Besuch gefreut. Vorstellung gecancelt …
Nun stellte sich die Frage: Was tun mit den ungültigen Karten? Umtausch gegen andere Karten für einen späteren Termin? Umtausch gegen einen Theatergutschein? Den Betrag auszahlen lassen? Oder den Betrag spenden, um den Corona-gebeutelten Kulturbetrieb zu unterstützen?
Das Schlosspark-Theater machte uns die Entscheidung leicht. Es lud uns – und alle anderen Theaterfans – zu einer Live-Vorführung von „Schmetterlinge sind frei“ ein: Heute um 20 Uhr spielten die vier Schauspieler ihr Stück auf ihrer gewohnten Bühne. Aber das Publikum blieb zu Hause und erlebte ein Theaterstück der besonderen Art: als Live-Stream am häuslichen Bildschirm.
Unsere erste Streaming-Erfahrung bewerten wir Schattenlichter positiv: Es ist zwar nicht das Gleiche wie ein echter Theaterbesuch, aber in diesen Zeiten haben wir nun mal nicht die Wahl. Immerhin sind wir gesund geblieben und auch nicht als Wirt für das Virus tätig geworden. Und wir haben Johannes Hallervorden, Julia Biedermann, Helen Barke und Fabian Stromberger live beim Spielen zugeguckt, konnten sie aus der Nähe sehen (eigentlich hatten wir Reihe 30 gebucht), niemand neben uns hat gehustet oder geraschelt, wir mussten weder auf den Bus warten, noch an der Garderobe oder am WC anstehen, und mitreißend war das Stück allemal.
Im Mittelpunkt der Handlung steht ein junger Erwachsener: Don Baker. Er hat gerade seine erste eigene Wohnung bezogen, um endlich auf eigenen Füßen zu stehen und sich aus den Fängen seiner überfürsorglichen Mutter zu befreien. Soweit nichts Besonderes, aber Don ist blind.
Gerade als sich Don in seinem spartanischen Zimmerchen gut zurechtfindet, flattert die neue Nachbarin Jill in sein Leben. Sie ist das absolute Gegenteil von Don: frei, lebenslustig und spontan. Die beiden verlieben sich. Doch die Komplikationen lassen nicht lange auf sich warten. Denn was für Don ein Quantensprung ist, scheint für die lockere Jill nur ein Abenteuer von vielen. Und dann mischt sich auch noch Dons Mutter ein, der offenbar jedes Mittel recht ist, ihren geliebten Sohn wieder zurück nach Hause zu holen …
Das Ganze findet glaubwürdig und flott gespielt in einem gelungenen Bühnenbild statt; Dons Wohnung mit ihrem coolen Hochbett und ihrem großzügigen Dachfenster – das Don gar nicht sehen kann – hätte man auch gerne als erste eigene Bleibe gehabt. Was sich in Jills unordentlich-chaotischer Nachbarwohnung abspielt, kann man sich nur vor seinem inneren Auge vorstellen – gut für die Entwicklung der Phantasie! Ohnehin wird man nach diesem Stück seine blinden Mitmenschen in einem anderen Licht sehen.
Zuletzt sei einem Schattenlicht von Ende 40 die Bemerkung erlaubt, dass Julia Biedermann, die in meiner Jugend immer tolle Jugendliche spielte, auch als übereifrige Helicoptermutter überzeugen kann.
Anders als bei einem tatsächlichen Besuch im Schlosspark-Theater herrschte bei den virtuellen Besuchern ein reges Kommen und Gehen – da haben die Leute eben doch eher Fernseh- als Theatergewohnheiten. Kurz vor Beginn sprang die angezeigte Zuschauerzahl innerhalb von Sekunden von 300 auf mehr als 750. Wenn man sich vorstellt, dass wir zu viert vor dem Laptop saßen, können es also auch 3.000 Zuschauer gewesen sein. Am Ende waren immer noch mehr als 600 bei der Stange, und es hagelte virtuellen Applaus und jede Menge begeisterte Kommentare.
Für die Schattenlichter ist eins klar: Die Theaterkarten werden gespendet! Das war eine super Aktion des Schlosspark-Teams!
Den Live-Stream gibt es am morgigen Donnerstag, dem 19.3., noch einmal: Einfach um kurz vor 20 Uhr auf Facebook die Seite des Schlosspark-Theaters aufrufen (Schlosspark Theater Berlin), in der linken Navigationsleiste auf „Video“ klicken! Und Spenden nicht vergessen!
Aus: Zehlendorf aktuell (März/April 2020) Autor und Fotograf: Carsten Scheibe
Die Schattenlichter (www.schattenlichter.info) meldeten sich in diesem Jahr mit einem ganz besonderen Stück zurück. Die Theatergruppe feierte ihr 35-jähriges Bestehen und zugleich ihr 38. Stück auf der Bühne. Das neue Stück wurde traditionell im Paulus-Gemeindehaus am Teltower Damm 6 aufgeführt. Der Saal war vom 20. bis zum 22. Februar einmal mehr komplett ausgebucht. Die Zehlendorfer waren anscheinend äußerst neugierig auf das neue Stück „Barbara“. Das verstehen die Schattenlichter nämlich als ihren Beitrag zum deutschlandweiten Jubiläum „30 Jahre Mauerfall“.
Elke Brumm, die von Anfang an bei den Schattenlichtern mit dabei ist: „Das Stück ‚Barbara‘ ist ein nach dem bekannten gleichnamigen Kinofilm selbstgeschriebenes Stück, das 1980 in der DDR spielt.“ Elke Brumm selbst hat das Skript für die Hobbytheatergruppe verfasst und dabei den gleichnamigen Film von 2012 für die Bühne adaptiert – übrigens mit Genehmigung u. a. des originalen Drehbuchautors Christian Petzold.
Um was geht es im Stück? Wir schreiben den Sommer 1980 und wir befinden uns in der DDR. Die Ärztin Barbara (Elke Brumm) hat einen Ausreiseantrag gestellt. Sie wird aufgrund dieses Antrags zunächst inhaftiert und dann strafversetzt. Anstatt weiterhin in der Hauptstadt arbeiten zu dürfen, muss sie nun in ein winziges Krankenhaus tief in der Provinz umsiedeln. Hier wird sie äußerst misstrauisch beäugt. Vor allem ihre neugierige Vermieterin (Susanne Wein) spioniert ihr ständig nach und informiert regelmäßig die Stasi-Beauftragte Mirjam Schütz (Kristina Lane), die ebenso regelmäßig die Durchsuchung von Barbaras Habseligkeiten anordnet.
Doch Barbara arbeitet bereits an ihrem ganz eigenen Plan B. Ihr Geliebter aus dem Westen (Jean-Pierre Pactat) bereitet ihre Flucht vor – was einige konspirative und für Barbara äußerst gefährliche Treffen erforderlich macht.
Das einzige Positive in der DDR-Welt, die Barbara aus der Perspektive einer unter Dauerverdacht stehenden Staatsfeindin kennenlernt, ist die Arbeit im Krankenhaus. Der lokale Chefarzt Dr. André Reiser (Justin Becker) entwickelt bei der Pflege der meist sehr jungen Patienten eine ebenso große Empathie wie Barbara selbst. Seine nette Art ist der einzige Lichtblick in Barbaras Welt. Und als der jungen Patientin Stella (Amélie Bylang) ein ungleich härteres Schicksaal in den Abgründen des DDR-Systems droht, muss Barbara eine Entscheidung treffen …
Die Schattenlichter spielen ihr neues Jahresstück traditionell immer nur an drei aufeinanderfolgenden Abenden im Jahr. Die Karten, die für fünf Euro nicht einmal besonders teuer kommen, sind in der Regel in kürzester Zeit abverkauft. Vor allem die Älteren aus dem Bezirk nutzen sehr gern die Möglichkeit, ein tolles Theaterstück in der Nachbarschaft zu sehen, sodass eine weite Anreise in die City entfallen kann.
Beim Stück „Barbara“ ist dieser Altersschnitt besonders passend: Viele der an den drei Abenden anwesenden Personen werden sich noch bestens an die Zeit vor der Wiedervereinigung erinnern können. Als West-Berliner hat schließlich jeder so seine ganz eigenen Erfahrungen mit der DDR gemacht. Für die West-Berliner ging es meist darum, ewig an der Transitgrenze zu stehen, um hier die Schikanen der Grenzbeamten zu erdulden. Und wer Verwandte in der DDR hatte, kann sicher noch ganz andere Geschichten erzählen.
„Mit dem Mauerfall verbindet uns viel“, erzählte so auch Elke Brumm, die die erste Schattenlichter-Aufführung noch als Zuschauerin erlebte, aber seit der zweiten Inszenierung mit auf der Bühne steht und die Gruppe seit 1988 managt. „Denn am 9. November 1989 hatten wir zufällig gerade eine Theaterpremiere. In der Pause erzählte jemand, die Mauer sei offen. Wir haben das gar nicht für voll genommen, da wir auf das Theaterstück konzentriert waren.“
Erst nachts zu Hause sahen die Schattenlichter das unglaubliche Geschehen im Fernsehen. „Schon am nächsten Tag war Zehlendorf-Mitte voller Trabbis. Abends luden wir Spontangäste aus Teltow und Potsdam zu unserer Aufführung ein, und anschießend gingen wir alle zur Öffnung der Glienicker Brücke. Das war toll!“
Nach zuletzt sehr fröhlichen Stücken wie „Der Vorname“ oder „Boeing Boeing“ ist bei „Barbara“ nun überhaupt gar nichts lustig. Bei diesem Stück fällt einem sofort wieder ein, warum die DDR als Unrechtsstaat galt und wie perfide die Bürger zum Teil ausspioniert wurden. Barbara muss hinnehmen, dass sie eingesperrt, in die Provinz versetzt, bespitzelt und regelrecht überwacht wird, vom der Durchsuchung ihrer Habseligkeiten einmal ganz abgesehen. Da fühlt man sofort die Beklemmung aus der alten DDR-Zeit wieder. Die Schattenlichter helfen mit ihrem Stück dabei, dass dies nicht in Vergessenheit gerät.
Der große Gemeindesaaal im Gemeindehaus mit seiner elf Meter hohen Decke war auch in diesem Jahr wieder ein toller Ort, um ein Theaterstück aufzuführen. Eine Besonderheit ist stets das Buffet, das in der Pause mit Mettbrötchen und anderen handgemachten Leckereien zum kleinen Preis dafür sorgt, dass keiner von den Gästen hungrig nach Hause geht.
Die Schattenlichter arbeiten übrigens bei den Proben komplett ohne Regisseur: Alle Schauspieler, die gerade auf der Bühne stehen, entwickeln die aktuelle Szene mit – und tragen so gleichberechtigt zum späteren Gelingen bei.
Schade ist – wie in jedem Jahr -, dass die Schattenlichter nur für drei Aufführungen zur Verfügung stehen. Nun muss man wieder ein ganzes Jahr warten, bis man sie wieder zu sehen bekommt.
„Berlin schließt seine Bühnen“ war heute in großen Lettern auf Seite 1 des Tagesspiegels zu lesen – neben einem traurigen Bild von leeren Zuschauerrängen eines imposanten Theatersaals. Eine Ausnahmesituation, die es in den 35 Jahren des Bestehens der Schattenlichter noch nicht gab!
Und nun? Vorsichtshalber zu Hause bleiben, lesen und Filme angucken? Die Schattenlichter verstehen diese Vorsichtsmaßnahme des Senats. Wir empfehlen: Gebt jetzt den kleinen Theatern in Berlin eine Chance!
Unsere „Barbara“-Aufführungen besuchte beispielsweise Günter Rüdiger vom Zimmertheater Steglitz. In einem so kleinen Haus dürfte die Ansteckungsgefahr nicht größer sein als in der BVG oder am Arbeitsplatz.
Also nichts wie hin! Das abwechslungsreiche Programm ist unter www.zimmertheater-steglitz.de zu finden.
Wir meinen: Berlin hat zu viel zu bieten, als dass man bis zum 19. April – dem vorgesehenden Ende der Theaterschließungen – zu Hause bleiben könnte!
Der März ist für die Schattenlichter immer ein entscheidender Monat: Nachdem ein paar Tage nach den letzten Aufführungen alle Gruppenmitglieder entscheiden, ob sie in folgenden Theaterjahr wieder mit an Bord sein werden, geht die Suche nach einem möglich passenden Stück los.
Eigentlich glaubte ich bereits, den Knüller gefunden zu haben: „Extrawurst“ (siehe unser vorletzter Theater-Tipp). Doch leider erteilte uns der Verlag die Aufführungsrechte nicht – mit Verweis darauf, dass das Renaissance-Theater die Aufführungsrechte exklusiv besitze und dass auch für uns, die wir mit unseren drei Aufführungen in Zehlendorf bestimmt keine Konkurrenz fürs Renaissance-Theater sind, keine Ausnahme gemacht werden könne.
Also geht die Suche weiter. So gingen heute zwei Schattenlichter ins Berliner Kriminaltheater in Friedrichshain. Dort läuft Agatha Christies Krimi „Ein Mord wird angekündigt“.
Worum geht’s in dem 40. Krimi der britischen Krimikönigin?
Zwei schrullige alte Damen erfahren durch eine Annonce in der Zeitung, dass in ihrem Haus ein Mord stattfinden soll. Die einen reagieren entsteht, die anderen angsterfüllt auf diese Ankündigung. Neben dem örtlichen Kommissar nicht sich auch Miss Marple des Falles an; aber auch sie kann nicht verhindern, dass nach einem Stromausfall die Leiche eines Mannes im Wohnzimmer liegt. Und dann wird auch noch jemand vergiftet. Was soll Miss Marple davon halten? Aber dann entdeckt sie etwas Merkwürdiges …
Vieles spricht dafür, dass dieser Krimi in die Abstimmungsrunde der Schattenlichter am 23. März eingebracht werden wird: eine kurzwellige Handlung, die optimale Personenzahl, nur ein einziges Bühnenbild, weniger als zwei Stunden Stücklänge, etwa gleich große Rollen – und die Tatsache, dass wir lange nicht mehr Agatha Christie gespielt haben und Lust dazu hätten.
Wer sich selbst ein Bild machen möchte, hat morgen, am 8. März, und dann wieder im Mai die Gelegenheit dazu: info@kriminaltheater.de
75 Jahre nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs drohen die Schrecken der NS-Zeit in Vergessenheit zu geraten. An aktuellen Ereignissen lässt sich das ja leider immer wieder erschreckend deutlich ablesen.
Da ist es wichtig, dass es über das Leben der Zeitzeugen hinaus – neben Büchern – anschauliche, erlebbare Erinnerungen gibt. Eine ganz besondere eindrucksvolle ist jedes Jahr an einigen Tagen im Februar/März im GRIPS Theater zu sehen: „Ab heute heißt Du Sara“.
Dieses Theaterstück erzählt in mehr als 30 prägnanten Szenen das Leben der Berliner Jüdin Inge Deutschkron in der Nazizeit.
Wer sich eingehender mit der Geschichte der heute fast 100-Jährigen befassen möchte, dem sei die Autobiografie von Inge Deutschkron empfohlen, die der damalige GRIPS-Chef Volker Ludwig als Grundlage für die Theaterfassung verwendete. Auch im Museum „Blindenwerkstatt Otto Weidt“ am Hackeschen Markt in Berlin-Mitte finden sich Spuren von Deutschkrons Geschichte, denn der mutige Weidt half ihr mit einer Anstellung und mit einem gefälschten Pass weiter.
Überhaupt ist „Ab heute heißt Du Sara“ gleichzeitig die Geschichte von Greueltaten und von Heldentaten, von Feinden und von Freunden, von Flucht und Zuflucht.
Ich sehe das Stück fast jedes Jahr und bin immer wieder aufs Neue beeindruckt.
Schön für langjährige GRIPS-Anhänger ist es, dass in „Ab heute heißt Du Sara“ auch noch einige GRIPS-Urgesteine mitspielen, die sonst nicht mehr regelmäßig auf der Bühne am Hansaplatz zu sehen sind. Und auch diejenigen, die neu im „Sara“-Team sind, sind allesamt sehenswert.
DDR 1980: Ein Ausreiseantrag und die Folgen – Theatergruppe Schattenlichter zeigt mit „Barbara“ ihr 38. Stück
Aus: Berliner Woche Zehlendorf, Dahlem, Lichterfelde, Lankwitz, Steglitz (19.02.2020) Autorin: Ulrike Martin
Sie standen unter Beobachtung, wurden drangsaliert, nicht wenige landeten im Gefängnis – für DDR-Bürger, die einen Ausreiseantrag stellten, war ihr Wunsch nach Freiheit oft mit üblen Folgen verbunden. Die Theatergruppe Schattenlichter hat sich dieses Themas angenommen. Ihr neues Stück basiert auf Christian Petzolds Kinofilm „Barbara“ von 2012. Elke Brumm, Managerin der Truppe, hat das Stück für die Bühne bearbeitet und umgeschrieben.
Das im November gefeierte 30-jährige Jubiläum des Mauerfalls war Anlass für die Wahl des Stoffs, die wie immer in der Laiengruppe gemeinsam entschieden wurde. Ein weiteres Datum haben die Schattenlichter selbst zu feiern – es gibt sie seit 35 Jahren.
Der Unterschied zum Film, der 1980 spielt: „Dort liegt der Fokus auf zwei Protagonisten, wir haben die Hauptrollen auf vier aufgestockt“, erläutert Elke Brumm. Ein Problem seien die vielen Schnitte im Film gewesen, auf der Bühne schwierig darzustellen. Die Lösung ist gelungen: Auf einer Projektionswand erscheinen Überschriften wie „Im Wald“ oder „Kinderklinik“, versehen mit Fotos, oder auch kurze Filme, die das Geschehen skizzieren und ergänzen. Sie leiten die jeweiligen Szenen ein.
So auch als eleganter Einstieg ins Stück. Auf der Wand ist Barbara (Elke Brumm) mit dem Koffer in der Hand zu sehen. Sie ist auf dem Weg zu ihrer neuen Bleibe, denn nach ihrem Ausreiseantrag wurde sie von der Berliner Charité in ein kleines Kinderkrankenhaus in der Provinz strafversetzt, wo sie als Ärztin arbeiten soll. Fast gleichzeitig erscheint Elke Brumm im Zuschauerraum, geht in Richtung Bühne und die Aufführung beginnt.
Was die Ärztin erwartet, ist alles andere als angenehm. Ihre Wohnung ist winzig, im Krankenhaus lästern die Schwestern. Ihr neuer Chef André Reiser (Justin Becker) wird von der Stasi-Offizierin Mirjam Schütz (Kristina Lane), einer IM (Elise Griepe) und dem Abschnittsbevollmächtigten Meik Noack (Christof Brumm) vor seiner neuen Kollegin gewarnt. Er soll Berichte über sie liefern. Schließlich saß Barbara in der Untersuchungshaftanstalt Hohenschönhausen ein. Dann ist da noch die Hauswartin Hilde Bungert (Susanne Wein), die ebenfalls kein gutes Haar an der Ärztin lässt. Mehrere Durchsuchungen schließlich verwandeln Barbaras Wohnung in ein Chaos.
Im Arbeitsalltag lernt André Barbara als fähige Kollegin zu schätzen. Beide werden sich zunehmend sympathischer. Barbara gewinnt schnell das Vertrauen ihrer kleinen Patienten, allen voran das der 15-jährigen Stella (Amélie Bylang), die immer wieder aus dem Jugendwerkhof Torgau abhaut – „eine Vernichtungsanstalt“ – und zudem schwanger ist.
Währenddessen arbeitet Barbaras Geliebter Jérome (Jean-Pierre Pactat) aus der freien Welt an der Vorbereitung ihrer Flucht in den Westen. Sie trifft sich mit ihm im Wald und erhält das Geld für die geplante Flucht über die Ostsee. Kurz bevor sie ihre Absicht umsetzen kann, überschlagen sich dann aber die Ereignisse.
Die Einbeziehung der Projektionswand als neues Darstellungselement gestaltete sich für die Schattenlichter als kleines Abenteuer. Schließlich sollten die eingespielten Szenen möglichst authentisch aussehen. „Wir mussten für die Klinik eine Ecke finden, die so ähnlich aussah wie früher in der DDR, so sind wir bei 1930er-Jahre-Bauten in Lankwitz gelandet“, erzählt Elke Brumm. Auch ein Trabi war nicht ganz so einfach zu beschaffen. Glücklicherweise konnte ein Freund in Bernau einen ausleihen. Der Spaß am Spielen ist bei den Schattenlichtern ungebrochen. Im aktuellen Stück übernehmen einige Darsteller gleich mehrere Rollen.
Auf zwei Besonderheiten sind die Schattenlichter besonders stolz: Sie haben keinen Regisseur, entscheiden alles gemeinsam. Und seit Jahren liegt der Eintrittspreis bei fünf Euro. Damit wird die Heizung im großen Gemeindehaus finanziert, gegebenenfalls noch die Aufführungsrechte.
Die Premiere ist am Donnerstag, 20. Februar, 19.30 Uhr, im Saal der Paulus-Gemeinde, Teltower Damm 6. Weitere Aufführungen finden statt am Freitag, 21. Februar um 19.30 Uhr sowie am Sonnabend, 22. Februar, um 18 Uhr. Die Karten kosten fünf Euro, sie sind jeweils 30 Minuten vor Beginn erhältlich.
Weitere Informationen gibt es im Internet auf www.schattenlichter.info.
Normalerweise gehen die Schattenlichter eine Woche vor ihrer eigenen Premiere nicht mehr ins Theater, denn der eigene Zeitplan ist mit den letzten Intensivproben und dem organisatorischen Geschehen schon mehr als voll. Aber diesmal musste doch noch ein Theaterbesuch eingeschoben werden, denn im Renaissance-Theater läuft nur noch wenige Tage ein Stück, das vom Plot her auch etwas für die Schattenlichter sein könnte. Daher machten sich vier gespannte Schattenlichter heute auf zum Ernst-Reuter-Platz, um die Komödie „Extrawurst“ zu sehen.
Der Stückinhalt mutet an, als wäre er vom derzeitigen Schattenlichter-Lieblingsautor Lutz Hübner geschrieben – ist er aber nicht. Das Autorenduo sind die Comedy-Autoren Dietmar Jacobs und Moritz Netenjakob, die bereits für die Fernsehformate „Die Wochenshow“, „Ladykracher“, „Das Amt“ und „Stromberg“ verantwortlich zeichneten.
Worum geht’s also in dem Stück? Sobald die Zuschauer den Saal betreten, befinden sie sich als Mitglieder eines kleinstädtischen Tennisvereins mitten in dessen Mitgliederversammlung. Bevor es zum wohlverdienten Feierabendbier samt Büfett übergeht, muss noch ein letzter Punkt der Tagesordnung abgehakt werden, der lediglich als Formsache gilt: die Abstimmung über die Anschaffung eines neuen Grills für die Vereinsfeiern.
Normalerweise kein Problem – gäbe es nicht den Vorschlag, auch einen eigenen Grill für das einzige türkische Mitglied des Clubs zu finanzieren. Denn gläubige Muslime dürfen ihre Grillwürste bekanntlich nicht auf einen Rost mit Schweinefleisch legen.
Eine gut gemeinte Idee, die ebenso respektlos wie komisch Atheisten und Gläubige, Deutsche und Türken, „Gutmenschen“ und Hardliner, Vegetarier und Fleischesser frontal aufeinander stoßen lässt. Und allen wird schnell klar: Es geht um viel mehr als einen Grill …
Die Schattenlichter fanden das Stück sehr kurzweilig, dazu zugleich witzig und intelligent – ein bisschen wie „Der Vorname“, der vor zwei Jahren auf dem Schattenlichter-Spielplan stand. Neben wunderbaren klischeehaften Charakteren, die dennoch immer für eine Überraschung gut waren, begeisterte uns auch das Bühnenbild: Wer jemals in einem Mehrgenerationenverein Mitglied war, wird sich sofort heimisch fühlen.
Nun aber nicht mehr lange weiterlesen, sondern schnell Karten kaufen, denn es gibt nur noch fünf Aufführungen im Renaissance-Theater: am 15. und 16.2. um 18 Uhr sowie vom 18. bis zum 21.2. um 20 Uhr. Karten unter www.renaissance-theater.de.
Und nicht vergessen: Am 20. oder 21. Februar seid Ihr vermutlich bei den Schattenlichtern und seht das Stück „Barbara“!
Aus: Tagesspiegel-Newsletter Steglitz-Zehlendorf (13.02.2020) Autor: Boris Buchholz
Die Zehlendorfer Laientheatergruppe „Schattenlichter“ führt am Donnerstag, 20. Februar, um 19.30 Uhr zum ersten Mal ihr neues Stück auf. Noch seien 20 Karten für die Premiere unverkauft, schrieben mir die Schauspieler – greifen Sie also zu: Die Tickets kosten 5 Euro, Sie können sie über die Website schattenlichter.info und telefonisch unter (030) 84 72 49 74 bestellen. Über das Stück „Barbara“ hatte ich schon im Januar geschrieben; auf tagesspiegel.de lesen Sie mehr.