„Richtfest“ mit den Schattenlichtern
Aus: Gazette Verbrauchermagazin Zehlendorf (2/2019)
Autor: keine Angabe



Aus: Paulus Blätter (2/2019)
Autorin: Elke Brumm
Wenn man ein Theaterstück von Lutz Hübner sieht, ist es immer wieder erstaunlich, wie vertraut einem die Charaktere erscheinen: „Genau so jemanden kenne ich auch!“, möchte man laut ausrufen. So ist es nicht überraschend, dass die Wahl für die nächste Aufführungsreihe der seit 1985 in der Paulusgemeinde aktiven Hobbytheatergruppe „Schattenlichter“
wieder auf ein Lutz-Hübner-Stück fiel: „Richtfest“.
„Richtfest“ handelt von einer Baugemeinschaft, in der sich sechs Parteien
zusammenfinden, um gemeinsam die Bauherrenschaft für ein Haus zu übernehmen. Dass die Beteiligten aus ganz unterschiedlichen Verhältnissen kommen, sich vorher kaum kennen und ganz unterschiedliche Vorstellungen vom Wohnen und vom Leben haben, macht die Sache nicht leichter. Zwar wird anfangs noch ganz gesittet diniert, diskutiert und geträumt, aber schon bevor geklärt ist, ob man denn nun eine „Bau- oder eine Lebensgemeinschaft“ sei, läuft das Ding aus dem Ruder.
Es treffen die verschiedensten Erwartungen und Interessen aufeinander,
gepaart mit finanziellen, architektonischen und familiären Einschränkungen. Wie viel Idealismus, Egoismus, Solidarität und finanzielle Zwänge verträgt so ein Projekt? Und wie viel ist jeder bereit,
in das kollektive Glück zu investieren?
Lutz Hübner und Co-Autorin Sarah Nemitz arbeiten seit 2001 sehr erfolgreich zusammen. Sie sind zurzeit Deutschlands meistgespielte zeitgenössische Theaterautoren. Die Schattenlichter liegen mit ihrem Geschmack also im Trend.
Zu sehen ist „Richtfest“ am Donnerstag, 21. Februar, und Freitag, 22.
Februar, um 19:30 Uhr und am Samstag, 23. Februar, um 18 Uhr. Einlass
in den Theatersaal ist 30 Minuten vor Aufführungsbeginn. Frühzeitige Kartenreservierungen werden empfohlen – bevorzugt über ein Internetformular auf www.schattenlichter.info, wenn es nicht anders geht, aber auch per E-Mail an schattenlichter@gmx.de und telefonisch
unter (030) 84 72 49 74. Solange der Vorrat reicht, gibt es auch im
Gemeindebüro und im Trödelcafé Karten zum direkten Kauf (keine Reservierungsmöglichkeit).
Nicht abgeholte Restkarten an der Abendkasse sind so gut wie immer zu
bekommen. Der Eintrittspreis beträgt unverändert nur fünf Euro, und die
Schattenlichter sammeln am Ausgang für die Deckung der Heizkosten des elf Meter hohen Theatersaals. Einen leckeren Pausensnack bietet die Flüchtlingshilfe des Kirchenkreises.
Heute Abend wollte niemand den Theater-Tipp schreiben: Drei von uns sind nach zweieinhalb Stunden in der Pause gegangen, drei andere haben nach vier Stunden aufgegeben, und nur einer sitzt immer noch in der Vorstellung. Ihr ahnt schon, worum es geht? Genau, die Schattenlichter waren in der auf sechs Stunden angesetzten Aufführung von „Galileo Galilei“ im Berliner Ensemble, die vor ein paar Tagen ihre Premiere hatte.
Was tun, wenn man von Frank Castorf so erschlagen ist, dass man sich zum Tippschreiben nicht mehr in der Lage sieht? Ich bitte die mit mir Geflüchteten, mir je eine Sache zu nennen, die ihnen gefallen hat. Wer keine großen Ziele erreichen kann, setzt sich eben kleine.
Schattenlicht Nr. 1 lobt das auf einer Drehbühne aufgebaute Bühnenbild, das Blicke in Galileis Forscherstätte und in andere Räume erlaubt. Nr. 2 ist speziell von Galileis Fernrohr angetan, das größer ist als in der Sternwarte auf dem Insulaner. Man kann es hoch- und runterkurbeln, und besonders motivierte Wissenschaftler klettern sogar hinein, um den Sternen noch näher zu kommen. Nr. 3 bewundert die Schauspielkünste und das Durchhaltevermögen des Hauptdarstellers: Der 86-jährige Jürgen Holtz lasst uns live am Denkprozess des Galilei teilhaben und steckt mit seiner Begeisterung für Wissenschaft und Wahrheit nicht nur seinen ebenfalls gut gespielten Schüler Andrea an, sondern auch das Publikum.
Nun drei Dinge, die uns nicht so gut gefallen haben:
Nr. 1: Der Einsatz von Live-Filmen im Theater kann belebend sein, hat aber bei dieser Inszenierung ein Ausmaß angenommen, das auf uns maßlos wirkt: Da dauert eine einzige Szene gerne mal 30 Minuten – die ganze Zeit mit schwankendem Bild, monotonen Hintergrundgeräuschen und gruseligen Nahaufnahmen.
Nr. 2: So maßlos wie die Filmszenen ist in dieser Inszenierung so ziemlich alles – es gibt immer wieder originelle Ideen, die fünf Minuten lang toll wären, aber endlos ausgewalzt werden.
Nr. 3: Oft schaut man nur auf eine Wand statt direkt auf die Schauspieler. Auch das wäre als Stilmittel mal ganz nett, aber nichts über 50 Prozent des Stücks.
Vielleicht hat Castorf ja in den letzten beiden Stunden noch das Steuer herumgerissen. Wir werden es uns vom tapfersten Schattenlicht berichten lassen!
Erst vor zehn Tagen waren mehrere Schattenlichter im GRIPS Theater zur „Linie 1“. Schon gestern kehrten sie in das Theater am Hansaplatz zurück – zur öffentlichen Generalprobe von „Cheer Out Loud!„
Es gibt gleich zwei gute Nachrichten! Die erste: Das Stück ist von Anfang bis Ende super. Und die zweite: Für die Vorstellungen am kommenden Freitag und Samstag, 18. und 19. Januar, gibt es noch Karten.
Verglichen mit den üblichen Generalproben der Schattenlichter verlief die gestrige im GRIPS vorbildlich: Nur ein einziges Mal war die Souffleuse zu hören, und ein Mal rief der Regisseur einen Kommentar in Richtung Bühne. Alles andere wirkte auf den Zuschauer perfekt. Da sollte bei der morgigen Premiere alles flutschen. Die Premiere wird zugleich auch die Uraufführung des Stücks von Susanne Lipp sein, das das GRIPS mit Regisseur Robert Neumann für sich adaptiert hat.
Worum geht’s? Im Zentrum der Handlung steht ein Berliner Sportverein – GRIPS-Handlung ist in der Regel lokal geprägt -, wie ihn jeder Berliner kennt – sei es in echt oder in seiner Vorurteilswelt. So ein Sportverein hat betagte Hallenwarte, die sich stark berlinernd über den Dreck der Sportler aufregen, ältliche und altmodische Vorstände mit schlimmen Brillen, strähnigen Haaren und sozialem Charakter sowie dynamische Emporkömmlinge, die den Verein zur Profilierung nutzen. All diese Typen hat das GRIPS so gut beobachtet, dass man am liebsten ständig Szenenapplaus spenden würde.
Was auch fast jeder Berliner Sportverein hat, sind Geldsorgen. Diese bringen auf der GRIPS-Bühne den gerade abgestiegenen Basketballverein dazu, sein eigentlich erfolgreiches und durchaus ansehnliches Cheerleader-Team aufzulösen. Für die Cheerleaderinnen und Cheerleader bricht die Welt zusammen, und der Vorstand ist wie gelähmt und kann immer nur lamentieren: „Die Lage ist ernst, sehr ernst!“
Da kommt einer der Cheerleaderinnen die rettende Idee: Der größte Fan des Teams, Leonie, soll in die Cheerleadergruppe aufgenommen werden. Denn dann würde es plötzlich Fördergelder hageln, weil Leonie das Down-Syndrom hat. Der Vorstand greift die Idee auf und macht ein paar – saukomische und politisch nicht korrekte – Imagefilme. Und schon sind die ersten Sponsoren da, spenden eine Rampe und rücken die ersehnte Finanzspritze rüber! Aber der Verein hat nicht mit der Trainerin und den ambitionierten Cheerleaderinnen und Cheerleadern gerechnet, die es „behindert“ finden, mit Behinderten trainieren und auftreten zu sollen. Mehr sollte nicht verraten werden …
Die Inszenierung ist mit 90 Minuten ohne Pause sehr kurzweilig gelungen – und sehr modern, mit Bühne in der Bühne, Live-Videoübertragungen und Beatboxing. Alle Achtung auch vor dem Körpergefühl mehrerer Ensemblemitglieder, die das „Rumgehopse mit bunten Puscheln“ so ambitioniert darstellen, dass so manchem der Schweiß ausbricht.
Die Schattenlichter sagen „Toi toi toi“ für die Premiere und wünschen dem Verein – ach nein, dem Stück – eine lange Lebensdauer! Wir würden uns freuen, die Neuentdeckungen des Ensembles auch in weiteren Stücken wiederzusehen.
Aus: Tagesspiegel-Newsletter für Steglitz-Zehlendorf
Autor: Boris Buchholz (10.01.2019)
– KULTUR –
Im Theaterstück „Richtfest“ geht sich eine Baugruppe an die Gurgel. Bauen, das ist in Steglitz-Zehlendorf ein heißes (und heikles) Thema. In Lichterfelde-Süd entsteht eines der größten Neubaugebiete Berlins, an diversen Orten im Bezirk sind neue Wohnungen geplant, zum Beispiel in der Dessauer- und Fischerhüttenstraße (die aktuellen Entwürfe beider Bebauungspläne werden ab dem 14. Januar im Rathaus Zehlendorf öffentlich ausgelegt; Sie finden die Unterlagen dann auch online unter berlin.de/ba-steglitz-zehlendorf). Zugleich sind Baugrundstücke für Privatleute im Südwesten Mangelware, Wohnprojekte oder Baugemeinschaften müssen lange nach ihrer „Lücke“ suchen.
Umso glücklicher sind die sechs Parteien zunächst, die sich im Theaterstück „Richtfest“ gefunden haben, um ein gemeinsames Haus zu bauen. Zwar kennen sich die Beteiligten vorher nicht und die Vorstellungen des Zusammenlebens gehen weit auseinander. Zu Beginn tauschen die Mitglieder der Baugruppe gesittet Wohnideen aus, es wird gepflegt diniert und parliert – doch dann läuft „das Ding“ aus dem Ruder. Autor Lutz Hübner stellt essentielle Fragen: Wie viel Idealismus, Egoismus, Solidarität und finanzielle Zwänge verträgt so ein Projekt? Und wie viel ist jeder bereit, in das kollektive Glück zu investieren?
Die Zehlendorfer Laien-Theatergruppe „Schattenlichter“ bringt das „Richtfest“ im Gemeindehaus der Zehlendorfer Paulusgemeinde (Teltower Damm 6) auf die Bühne – zwar erst am 21., 22. und 23. Februar, doch sind die Vorstellungen erfahrungsgemäß sehr schnell ausverkauft. Karten zu fünf Euro können Sie ab sofort bequem auf der Website schattenlichter.info bestellen.
Die Schattenlichter haben sich speziell für dieses Stück neues spielendes Personal gesucht: Vier neue Schauspielerinnen und Schauspieler ergänzen die achtköpfige Stammgruppe. „Richtfest“ ist die 37. Produktion der Schattenlichter; 1985 haben Konfirmanden der Paulus-Gemeinde die Hobbytheatergruppe begründet.
Das GRIPS-Erfolgsmusical „Linie 1“ kann man nicht oft genug sehen – das denke anscheinend nicht nur ich, sondern auch viele andere Menschen. Wie sonst wäre es zu erklären, dass heute schon die 1.869. Vorführung im GRIPS Theater am Hansaplatz gezeigt wurde? Gehen wir von einem immer ausverkauften Haus aus – denn leere Plätze habe ich bei diesem Stück noch nicht gesehen -, haben bereits 747.600 Menschen das Berlin-Musical von Volker Ludwig und Birger Heymann gesehen.
„Linie 1“ ist für mich der perfekte Auftakt eines Theaterjahres: Ein schwungvolles Ensemble mit immer wieder neuen Ideen und rasanten Kostümwechseln, eine historische Berlin-Thematik, witzige Choreografien zur Ohrwurm-Musik, eine tolle Band und ein wandlungsfähiges, authentisch wirkendes U-Bahn-Bühnenbild – da bleiben keine Wünsche offen. Heute war schön zu beobachten, wie gut die Urgesteine der „Linie 1“ – allen voran der 78-jährige Dietrich Lehmann (Respekt!) – mit den Neuzugängen des Ensembles zusammenspielen und „Berlin-Klassiker“ von 1986 immer wieder neuen Schwung verleihen.
„Wem würden Sie das Stück weiterempfehlen?“ fragte das GRIPS Theater im Anschluss an die Vorstellung mit einem Fragebogen. Meine Antwort: „Allen meinen Freunden – und jedem, der gerne ins Theater geht!“
Die morgige Vorführung ist ausverkauft, aber für den 1., 2. und 3. Februar gibt es noch Karten. Ich habe gerade gezählt: Noch 27-mal wird „Linie 1“ in dieser Spielzeit zu sehen sein. Die 1.900 wird also erst im Herbst erreicht, wenn das GRIPS auch sein 50-jähriges Bestehen gefeiert hat. Dies geschieht offenbar nicht mit einer Einzelveranstaltung, sondern mit einer gesamten Jubiläumsspielzeit. Umso besser – dann haben alle was davon!
Aus: www.stadtrand-nachrichten.de
Veröffentlicht von: Anna Schmidt (03.01.2019)
Foto: Frederik Ahlgrimm. Die Mitglieder der Baugemeinschaft freuen sich über das Modell ihres Traumhauses.
Wenn man ein Theaterstück von Lutz Hübner sieht, ist es immer wieder erstaunlich, wie vertraut einem die Charaktere erscheinen: „Genau so jemanden kenne ich auch!“, möchte man laut ausrufen. Daher sind mehrere Schattenlichter inzwischen zu Lutz-Hübner-Fans geworden – nicht zuletzt auch wegen des Stücks „Frau Müller muss weg“, mit dem die Schattenlichter und ihre Zuschauer 2016 viel Spaß hatten.
So ist es auch nicht überraschend, dass die Wahl für die nächste Aufführungsreihe, der seit 1985 in der Paulus-Gemeinde aktiven Hobbytheatergruppe, wieder auf ein Lutz-Hübner-Stück fiel: „Richtfest“. Einziges Problem: Das Stück hatte vier Rollen zu viel, so dass die Schattenlichter zu den bestehenden acht Mitspielern vier neue rekrutieren mussten – ein recht großer Anteil. Nach einigen Umbesetzungen passt es nun sowohl für die Gruppendynamik, wie auch für die Charaktere im Stück.
„Richtfest“ handelt von einer Baugemeinschaft, in der sich sechs Parteien zusammenfinden, um gemeinsam die Bauherrenschaft für ein Haus zu übernehmen. Dass die Beteiligten aus ganz unterschiedlichen Verhältnissen kommen, sich vorher kaum kennen und ganz unterschiedliche Vorstellungen vom Wohnen und vom Leben haben, macht die Sache nicht leichter. Zwar wird anfangs noch ganz gesittet diniert, diskutiert und geträumt, aber schon bevor geklärt ist, ob man denn nun eine „Bau- oder eine Lebensgemeinschaft“ sei, läuft das Ding aus dem Ruder. Es treffen die verschiedensten Erwartungen und Interessen aufeinander, gepaart mit finanziellen, architektonischen und familiären Einschränkungen. Wie viel Idealismus, Egoismus, Solidarität und finanzielle Zwänge verträgt so ein Projekt? Und wie viel ist jeder bereit, in das kollektive Glück zu investieren?
Lutz Hübner und Co-Autorin Sarah Nemitz arbeiten seit 2001 sehr erfolgreich zusammen. Sie sind zurzeit Deutschlands meistgespielte zeitgenössische Theaterautoren. Die Schattenlichter liegen mit ihrem Geschmack also im Trend. „Richtfest“ ist die 37. Produktion der Schattenlichter. Die Gruppe ist im Großen Saal des Gemeindehauses Teltower Damm 6 in Zehlendorf-Mitte zu Hause, wo sie einst als Konfirmandengruppe ins Leben gerufen wurde. Heute bestehen die Schattenlichter aus rund 20 Berlinern zwischen 13 und 69 Jahren, inklusive Souffleuse, Maskenbildnerin, Beleuchter, Webmaster und einem regelmäßigen Helfer- und Beraterteam. Nur einen Regisseur gibt es nicht: Regie wird gemeinsam geführt, damit jeder mitdenken kann, so dass viele Ideen in die Aufführung einfließen.
Zu sehen ist „Richtfest“ am Donnerstag, 21. Februar, um 19.30 Uhr, am Freitag, 22. Februar, um 19.30 Uhr und am Samstag, 23. Februar, um 18.00 Uhr. Einlass in den Theatersaal ist 30 Minuten vor Aufführungsbeginn. Frühzeitige Kartenreservierungen werden empfohlen – bevorzugt über ein Internetformular auf www.schattenlichter.info; wenn es nicht anders geht, aber auch per E-Mail (schattenlichter@gmx.de) und telefonisch (030 84 72 49 74). So lange der Vorrat reicht, gibt es auch in der Küsterei und beim Trödelcafé im Gemeindehaus Karten zum direkten Kauf (keine Reservierungsmöglichkeit).
Nicht abgeholte Restkarten an der Abendkasse sind so gut wie immer zu bekommen. Der Eintrittspreis beträgt unverändert nur fünf Euro, und die Schattenlichter sammeln am Ausgang für die Deckung der Heizkosten des elf Meter hohen Theatersaals. Einen leckeren Pausensnack bietet die Flüchtlingshilfe des Kirchenkreises Teltow-Zehlendorf an; hier sind an den Theaterabenden Hauptamtliche, Ehrenamtliche und Geflüchtete gemeinsam aktiv.
(Elke Brumm)

Aus: www.zehlendorfaktuell.de
Autor: Carsten Scheibe (01.01.2019)
Wenn man ein Theaterstück von Lutz Hübner sieht, ist es immer wieder erstaunlich, wie vertraut einem die Charaktere erscheinen: „Genau so jemanden kenne ich auch!“, möchte man laut ausrufen. Daher sind mehrere Schattenlichter inzwischen zu Lutz-Hübner-Fans geworden – nicht zuletzt auch wegen des Stücks „Frau Müller muss weg“, mit dem die Schattenlichter und ihre Zuschauer 2016 viel Spaß hatten.
So ist es nicht überraschend, dass die Wahl für die nächste Aufführungsreihe der seit 1985 in der Paulus-Gemeinde aktiven Hobbytheatergruppe wieder auf ein Lutz-Hübner-Stück fiel: „Richtfest“. Einziges Problem: Das Stück hatte vier Rollen zu viel, so dass die Schattenlichter zu den bestehenden acht Mitspielern vier neue rekrutieren mussten – ein recht großer Anteil. Nach einigen Umbesetzungen passt es nun – für die Gruppendynamik, aber auch für die Charaktere im Stück.
„Richtfest“ handelt von einer Baugemeinschaft, in der sich sechs Parteien zusammenfinden, um gemeinsam die Bauherrenschaft für ein Haus zu übernehmen. Dass die Beteiligten aus ganz unterschiedlichen Verhältnissen kommen, sich vorher kaum kennen und ganz unterschiedliche Vorstellungen vom Wohnen und vom Leben haben, macht die Sache nicht leichter. Zwar wird anfangs noch ganz gesittet diniert, diskutiert und geträumt, aber schon bevor geklärt ist, ob man denn nun eine „Bau- oder eine Lebensgemeinschaft“ sei, läuft das Ding aus dem Ruder. Es treffen die verschiedensten Erwartungen und Interessen aufeinander, gepaart mit finanziellen, architektonischen und familiären Einschränkungen. Wie viel Idealismus, Egoismus, Solidarität und finanzielle Zwänge verträgt so ein Projekt? Und wie viel ist jeder bereit, in das kollektive Glück zu investieren?
Lutz Hübner und Co-Autorin Sarah Nemitz arbeiten seit 2001 sehr erfolgreich zusammen. Sie sind zurzeit Deutschlands meistgespielte zeitgenössische Theaterautoren. Die Schattenlichter liegen mit ihrem Geschmack also im Trend.
„Richtfest“ ist die 37. Produktion der Schattenlichter. Die Gruppe ist im Großen Saal des Gemeindehauses Teltower Damm 6 in Zehlendorf-Mitte zu Hause, wo sie einst als Konfirmandengruppe ins Leben gerufen wurde. Heute bestehen die Schattenlichter aus rund 20 Berlinern zwischen 13 und 69 Jahren, inklusive Souffleuse, Maskenbildnerin, Beleuchter, Webmaster und einem regelmäßigen Helfer- und Beraterteam. Nur einen Regisseur gibt es nicht: Regie wird gemeinsam geführt, damit jeder mitdenken kann, so dass viele Ideen in die Aufführung einfließen.
Zu sehen ist „Richtfest“ am Donnerstag, 21. Februar, um 19:30 Uhr, am Freitag, 22. Februar, um 19:30 Uhr und am Samstag, 23. Februar, um 18 Uhr. Einlass in den Theatersaal ist 30 Minuten vor Aufführungsbeginn. Frühzeitige Kartenreservierungen werden empfohlen – bevorzugt über ein Internetformular auf www.schattenlichter.info; wenn es nicht anders geht, aber auch per E-Mail (schattenlichter@gmx.de) und telefonisch (030 84724974). So lange der Vorrat reicht, gibt es auch in der Küsterei und beim Trödelcafé im Gemeindehaus Karten zum direkten Kauf (keine Reservierungsmöglichkeit).
Nicht abgeholte Restkarten an der Abendkasse sind so gut wie immer zu bekommen. Der Eintrittspreis beträgt unverändert nur fünf Euro, und die Schattenlichter sammeln am Ausgang für die Deckung der Heizkosten des elf Meter hohen Theatersaals. Einen leckeren Pausensnack bietet die Flüchtlingshilfe des Kirchenkreises Teltow-Zehlendorf an; hier sind an den Theaterabenden Hauptamtliche, Ehrenamtliche und Geflüchtete gemeinsam aktiv. (Text: Elke Brumm/Fotos: Frederik Ahlgrimm)
Dies ist eine Pressemitteilung, die der Redaktion zugeschickt wurde und die wir zur Information der Bürger in der Region Steglitz-Zehlendorf & Umland unredigiert übernehmen.


Die Schattenlichter wollten etwas für ihre Theatergrundbildung tun und kauften Karten für die zwei wohl bekanntesten Stücke von Bertolt Brecht: „Die Dreigroschenoper“ und „Galileo Galilei“ – für Ende Dezember und Ende Januar im Brecht-Stammhaus, dem Berliner Ensemble.
Teil 1 der Bildungsreise, zufällig genau die 300. Vorstellung der „Dreigroschenoper“, stellte die Schattenlichter vor mehrere Rätsel:
Warum ist dieses farbenprächtige Stück mit seinen schillernden Bordellen, rauschenden Partys und phantasievollen Bettlerkostümen komplett in Schwarzweiß dargestellt, bis hin zum schwarzweißen Bühnenbild samt entsprechender Beleuchtung, die entweder helle, überblendete Flecken zeigt oder alle Mimik im Dunklen ersäuft?
Warum muss jeder Satz überzeichnet gesprochen werden, und was bringt es, keine einzige natürliche Bewegung zuzulassen? Ist das eine neue Interpretation des Brechtschen Verfremdungseffekts?
Und ist es nicht ein Sakrileg, die mitreißenden Kurt-Weill-Lieder in einem Sprechgesang oder in piepsiger Übersteuerung zum Besten zu geben, den Rhythmus immer wieder zu durchbrechen und ans Ende fast jeden Liedes ein Comicgeräusch zu setzen? Überhaupt die Geräusche: Wen sollte es amüsieren, dass Geräusche wie Schritte, Trinken und Schlucken in großer Lautstärke eingespielt wurden? Zumindest bei uns im zweiten Rang lachte niemand, sondern alle erwarteten ermattet nach 125 Minuten die Pause und nach weiteren 40 Minuten den erlösenden Schluss.
Doch dann wurde es zu unserer Überraschung auf einmal farbenfroh: Goldenes Konfetti flog durch die Luft, und eine goldene Jubiläums-300 drehte sich vor dem knallroten Schlussvorhang. Das bis dahin apathisch wirkende Publikum erwachte und klatschte sogar eine Zugabe heraus.
Wenn sich die Schattenlichter auf ein Lob einigen konnten, dann darauf, dass die Schauspieler und Musiker das Überziehen mit großer Konsequenz durchgehalten haben. Handwerklich war das sehr gut, nur den Sinn der Inszenierung haben wir nicht verstanden. Was Brecht wohl dazu sagen würde? „Erst kommt das Fressen, dann kommt die Moral“?
Als Theater-Tipp verweisen wir auf unseren zweiten Brecht-Versuch im Berliner Ensemble: „Galileo Galilei“ am 27. Januar 2019.
Theater-Tipp für Dezember (2/3)
Wer noch schnell einen Weihnachtsgutschein basteln und einen heiteren Theaterbesuch verschenken möchte, dem empfehlen fünf Schattenlichter die neuste Inszenierung des Schlosspark-Theaters: „Monsieur Claude und seine Töchter„.
Wieder einmal geht das Konzept auf, aus einem erfolgreichen Kinofilm ein erfolgreiches Theaterstück zu machen. Auch wenn sämtliche Berliner im Vorweihnachtsstress sind, war im Schlosspark-Theater am 22. Dezember fast jeder Platz besetzt. Noch ist die Erinnerung an den lustigen Film von 2014 mit Christian Clavier in der Hauptrolle frisch, und man hat Lust, sich auch auf der Bühne anzusehen, was auf der Leinwand lustig war.
Film und Stück handeln von einem konservativen französischen Ehepaar aus der Provinz, dessen allesamt in Paris lebenden Töchter die Wertewelt der Eltern auf den Kopf stellen, indem sie anstatt „anständiger katholischer Franzosen“ einen Juden, einen Muslim und einen Chinesen heiraten. Auf die vierte, noch ledige Tochter fokussiert sich alle elterliche Hoffnung, doch noch einen echten französischen Katholiken zu einer schönen kirchlichen Trauung in der Provinz zu bewegen. Als sich ein Verlobter mit dem gutbürgerlichen Namen Charles ankündigt – hach, wie Charles de Gaulle -, der noch dazu aus einer strenggläubigen katholischen Familie stammt, scheint die Welt des Monsieur Claude wieder in Ordnung – bis er und seine Frau dem Auserwählten endlich gegenüberstehen …
Film und Stück sind gleichermaßen kurzweilig und lustig. Sie verhandeln jede Menge Klischees und zeigen, dass die, über die ein Klischee existiert, auch selbst in Klischees denken. Jung und Alt nehmen sich da in der Handlung nicht viel. Das Ganze wird zwar im Schlosspark-Theater nicht tiefgründig verhandelt, aber da dies auch im Film nicht der Fall ist, werden keine Erwartungen enttäuscht. Das tut der Sache keinen Abbruch: Man kann sich schließlich auch ohne erhobene Zeigefinger zum Nachdenken anregen lassen.
Ein Film kann ja problemlos von einem Ort zum anderen springen. Für ein Bühnenstück ist das schwieriger. Das Schlosspark-Theater löst die Problematik genial mit ein paar Stühlen, mehreren bunten Vorhängen und einer Drehbühne. Bemerkenswert ist das fürs Schlosspark-Theater ungewöhnlich große Ensemble: Da alle Töchter, Schwiegersöhne und Eltern in der Regel gleichzeitig auf der Bühne stehen und sich auch manche Nebenrollen nicht gut für Doppelrollen eignen, stehen 13 Personen auf der Bühne. Das bringt eine Vielfalt mit sich, die zum Charakter des Stücks hervorragend passt. Die Rollen der Madame und des Monsieur Claude spielen Brigitte Grothum und Peter Bause.
Das französische Filmoriginal hat übrigens einen sehr viel einfallsreicheren namen als die deutsche Übersetzung – nicht etwa „Monsieur Claude et ses filles“, sondern „Qu’est-ce qu’on a fait au bon dieu?“. Genau das ruft Madame verzweifelt aus, nachdem sie ihren vierten Schwiegersohn zum ersten mal gesehen hat: „Was haben wir dem lieben Gott nur getan?“
Für Eure Gutscheine: Es gibt wieder zahlreiche Vorführungen ab Mitte Januar, außerdem im Februar und im April 2019. Viel Spaß!